Seit etwas über einem Jahr treffe ich monatlich zum Stammtisch Kolleginnen aus meiner Region. Insgesamt sind wir 10 Weiber zwischen 35 und 55. Übersetzerinnen, Beraterinnen, Texterinnen, Redakteurinnen, Werbeziegen wie ich, Lektorinnen, also alle studiert, selbstständig und alle einen ähnlichen Job mit ähnlichen Erfahrungen.
Anfangs war ich davon nicht so ganz überzeugt, schließlich habe ich Erfahrungen mit stutenbissigen Weiber, die überall Konkurrenz sehen. Schnell war ich überzeugt, dass keine von den Damen Konkurrenz ist oder miese Gedanken hegt.
Bisher war es immer ein netter Abend mit Fachgesprächen, Austausch und Anekdoten. Ich hielt meine Sorgen und Probleme immer ein wenig raus. Schließlich bin ich eine der wenigen, die trotz Krisenstimmung ihren jährlichen Gewinn fast verdoppelt hat.
Gestern fasste ich mir ein Herz und beantwortete Fragen offen, ehrlich und mutig. Erstaunliches geschah, denn die anderen machten mit. Schnell stellte sich, jede hat ihren eigenen Scheiß. Sei es mit Job, Kind, Mann, Familie, Freunde oder alles zusammen. Schnell stellte sich auch raus, ich bin mit meiner Mutter nicht alleine. Da saß mir eine gegenüber, 47 Jahre alt und konnte ähnliche Berichte über ihre Mutter abgeben, die ihre schlechte Laune, ihre eigenen Defizite und ihren geringen Selbstwert auch ihr Leben lang versucht an ihr auszulassen. Wobei diese Kollegin ihre Mutter hasst, was ich nicht einmal schaffe. Meine nervt mich nur und ist mir meist völlig egal.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen