30. Dezember 2009

Ausreden für Alles

Hab ich manchmal und speziell jetzt auch! Ich arbeite mir den Arsch rund, versuche (blauäugig) immer noch, mich friedlich zu trennen (Rosenkrieg ist nicht mein Ding <- zu zeitaufwendig bzw. anstrengend!!!) und bin immer noch für die Zecken da, soweit wie nötig und möglich ... Cool ist, wenn Leute an Dich denken, sich hinsetzen und Dir h a n d s c h r i f t l i c h e
Post gönnen. Absolut schön und unbezahlbar!!!
 
Der Pott und Australien. Ich habe sie lieb und bin beiden d.J. nicht gerecht geworden. Ich will mich also nicht rausreden, einfach nur Abbitte leisten. Das Schreiben habe ich nicht verlernt, Briefmarken sind mir immer noch kein unbekanntes Zahlungsmittel, an Zeit mangelt es Euch auch ... ICH war/bin einfach gerade beschissen organisiert. Sorry!!!

PS: Ich weiß, dass Du keine dt. Texte magst. Dennoch: Stadtaffe von Peter Fox ist einfach geil. Vllt., weil ich Spree-Athener bin – vllt., weil er auch Kalinkchens kennt? Zitat: "Affen feiern auch, wenn sie traurig sind" Kalinkchens feiern nicht ;)

Dem Pott war so danach, also habe ich mich einfach hingesetzt und meinen Gedanken Worte verliehen. Nachher vergisst Du noch, wie sehr ich Dich mag oder wie gut Du bist. Um Dich sind zu viele Egoisten, die Dich aussaugen und ausbeuten. 

Du musst Dich weder entschuldigen noch rechtfertigen. Ich gebe einfach so und freiwillig - ohne Gegenleistungen oder Erwartungshaltung. Außerdem gibst Du mir zwischendurch und ungefragt so viel. 

Stimmt, ich mag keine deutschen Texte, aber Peter Fox ist eine Ausnahmen, eine große, die mir sehr gefällt. 

26. Dezember 2009

Philologenaufreger.

Mag mich aufregen. Interessiert wahrscheinlich keine Sau. Verstehen auch nur sehr wenige Menschen. Dennoch, mich regt es auf. Das genügt, um es rauszulassen.

Ich lese sehr gerne Bücher von Rita Mae Brown, denn sie liebt Sprache, kann damit umgehen und hat generell eine Meinung, die meist auch noch fundiert ist. Sie hat keine Vorurteile, dafür eine Menge Humor, gibt nicht gerne Geld aus und liebt dazu noch die Natur und Tiere.

Für eine Amerikanerin ist sie sehr offen, denn sie geht nicht davon aus, dass die ganze Welt englisch sprechen muss, weil Englisch die Allmachtssprache ist. Nein, im Gegensatz zu den meisten Amerikanern mag sie Fremdsprachen sogar. Da liegt aber auch meine Krux mit ihr.

Ich habe ihre Autobiografie gelesen, "Rubinrote Rita" heißt diese. Darin ist zu lesen, dass Rita lange und ausgiebig sowohl Griechisch als auch Latein gelernt hat. So weit so gut, aber sie ist der Meinung, dass die englische Sprache nicht korrekt zu benutzen ist, wenn man kein Latein kann. Latein ist so was wie die Basis der englischen Sprache.

Wieso? Klar, sehr viele Worte des Englischen sind aus dem Lateinischen entstanden, die deutsche Sprache ist ebenso latinisiert, aber dennoch handelt es sich bei beiden um germanische Sprachen, ergo sollte man die Etymologie insgesamt kennen und nicht lediglich die lateinische, denn sehr viele Worte gehen auf germanische Worte zurück. Der Gerechtigkeit und der Vernunft nach sollte sie also sagen, dass man für den ordentlichen Gebrauch und das allgemeine Verständnis der englischen Sprache Latein können sollte und sich ebenso in germanischen Sprachen auskennen muss. Wenn sie ganz genau sein will und an die Geschichte fundiert rangehen würde, sollte sie eigentlich noch Sanskrit lernen, die Mutter der germanischen Sprachen.

Son Dreck! Da dachte ich jahrelang - immerhin lese ich Ritas Bücher seit den 90ern - die Frau ist nicht wie alle Amerikaner mit einem Patriotismus und einer Arroganz geschlagen, die unglaublich ist und dann so was! Dann kommt sie mir voller Überzeugung mit einer ignoranten Aussage über die nun schon 2 Tage nachdenke und mich darüber aufrege.

Reg Dich ab Sis! Amerikaner sind eben kleine Kalinkchens ;)
Manchmal merkens halt nix!

Bussi

Danke Dir, aber so was so spät zu merken, da ärger ich mich über mich.
Hör mir auf mit den Kalinkchens - ich bepiss mich schon beim Gedanken vor Lachen!!
Drück Dich!

 
Spät(er) ist gut. Nie wäre schlimmer! Und wer weiß, vllt. hat sie einfach nur den Ghostwriter gewechselt. Nimm's hin ;))
PS: Kalinkchen bringt wenigstens Dich zum Lachen - Ich hab sie schon beinahe lieb! lol*

22. Dezember 2009

Traummann

Es war wohl eine ziemlich lockere Netzwerkveranstaltung, so ganz genau kann ich das nicht mehr sagen. Komische Spielchen wurden gespielt. Wahrscheinlich um Teamfähigkeit zu testen oder zu stärken. Ich sollte ein Team zusammenstellen. Die Kriterien entschied ich und sollte nach Sternzeichen auswählen. Sehr merkwürdige Idee.

Alles ein Spiel, also wählte ich aus. Löwen gingen nicht, die sind zu ichbezogen und alpha für ein Team. Krebse zu egozentrisch und zickig. Stiere können stur sein, daher keine Stiermänner. Widder und Skorpione sind zu dominant und schwierig, Fische zu sensibel, Waagen Weicheier. Schützen sind zielgerichtet, Zwillinge und Wassermänner kreativ und frei, also davon welche. Steinböcke und Jungfrauen können zurückstecken, sind Strategen und arbeiten hart. Ich schaute mir mein Team nicht wirklich an, es waren zu viele. Abstruse Aufgaben und Spielchen wurden verteilt. Halbherzig machte ich mit.

Einmal sollte ich mich auf den Schoß von einem aus meinem Team setzen. Vertrauen üben, aber schwierige Sache, denn der Mann hatte lange Beine, ich aber kurze. Ich würde balancieren müssen, dazu die ganze Zeit Augenkontakt halten und mich vom Gegenüber festhalten lassen. Nicht einfach für einen Einzelkämpfer wie mich, aber testenswert. Ich näherte mich dem unscheinbaren Mann und schob mich langsam auf seinen Schoß, etwas Abstand haltend, weil mag ja nicht jeder so nahen körperlichen Kontakt zu Fremden. Er grinste mich an, meinte, ich müsse schon etwas näher rutschen, und legte seine Hände um meine Hüften und zog mich näher zu sich. Schöne, große Hände mit Haare drauf. So saß ich besser, viel stabiler, konnte problemlos Augenkontakt mit dem jungenhaften Gegenüber halten und gemeinsam erledigten wir erfolgreich die Aufgabe. Aber da war noch mehr. Seelenverwandtschaft. Wiedererkennen. Erkennen. Vertrauen. Tiefste Emotionen und der Schreck über all diese Dinge, die geballt über mich kamen.

Stefan heißt er. Ist Anfang/Mitte 40. ungefähr 1,85 m groß, eher schlank und schlaksig. Mittelbraune, relativ kurze Haare, helle Augen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie grün oder blau oder doch grau sind. Sternzeichen Jungfrau, wobei ich die Mankos von denen zu gut kenne und eigentlich nicht mag. Eher ruhig und sanftmütig. Praktizierender Buddhist, der mir viel beibringen kann, nicht nur weil er viel weiß, sondern weil ich ihn einfach akzeptiere, respektiere und zuhöre. Er ist toll. Fast schon unheimlich perfekt. Vor allem, weil ich mit so einem Mann nicht als meinem Mann gerechnet habe. Eigentlich nicht mein Typ, aber völlig passend.

Irgendwann wachte ich dann verwirrt auf.



Kurzer fröhlicher Nachtkommentar: Ich wünsche Dir mehr von den verwirrenden Wachwerdevorgängen *zwinker*

Ich gebe mir Mühe, dachte nur, ich gebe mal meine äußerst realistischen Träume wieder. Gibt da ja noch welche, aber die sind entweder zu brutal oder erotisch, um hier wiedergegeben zu werden ;-))

Hach ja, ich schreib hier auch ned alles ;)

Oder? Doch! Das Wichtige schon. Wobei ich Sexphantasien auch unbehandelt lasse, Mordgedanken hin und wieder durchscheinen mögen. Ergo: ich bin brutal scheiße? Kann ich eben mit leben, glaub ich - schließlich übe ich mich in "Ego-Entwicklung"; Altruismus ist auf Dauer nicht gesundheitsfördernd! (Da soll mal jemand behaupten ich sei in meinem Alter nicht mehr lernfähig *g*)

18. Dezember 2009

Merksätze

  • Die Rentnerin kann halbwegs dankbar sein und teilweise ein paar Einkäufe wie Tannengrün, Weihnachtsessen und so übernehmen, wenn man vorher 3 Stunden für sie einkaufen fährt und den ganzen Scheiß ( 1 Kasten Bier, zwei Kästen Wasser, 14 Liter Grapefruitsaft sowie zwei volle Klappkörbe) drei Etagen hochschleppt.
  • Von Männern, die einen kleinen Horizont haben und Empathie nicht mal schreiben, aber selbst das nicht verstehen, soll man die Finger lassen. Sie nerven und langweilen zugleich.
  • Denke nicht, die Welt ist so wie Du bist. Ist sie selten.
  • Verguck Dich nicht in eine Wohnung, die sich als unbezahlbar herausstellt.
  • Ich erkenne meine Schweine am Gang, zumindest mein Bauch und der weiß, was er tut. 
  • Meide kaputte Bürgersteige im Dunkeln, Du knickst nur um und kannst dann drei Tage nicht laufen.
  • Mache nie To-do-Listen, die keine Alternativen beinhalten, jedenfalls nicht, wenn Du im Dunkeln auf einen kaputten Bürgerstein triffst.

14. Dezember 2009

Eine Entschuldigung an die Männerwelt.

Ich habe es wieder getan. Bewusst und mir über die Auswirkungen völlig im Klaren. Ich kann halt nicht anders, daher möchte ich mich offiziell entschuldigen. Bei der Männerwelt. Oder zumindest ganz vielen Männern da draußen.

Es tut mir schrecklich leid, dass ich Euren Vorstellungen nicht entspreche. Vorstellungen, die Ihr Euch von mir macht und die ich mangels Geringfügigkeit nicht erfüllen kann und will.

Ich trage auch die immense Schuld daran, dass meine Anforderungen und Erwartungen sich von Euren Gaben bzw. Möglichkeiten gravierend unterscheiden.

Ebenfalls fast unverzeihbar, empfinde ich mich auch nicht mit jedem Hinz und Kunz kompatibel, der meint, ich sei die Frau seines Lebens, wenn ich mich entsprechend zurücknehme und endlich einmal die mir dargebotenen Herrlichkeiten anerkenne und diese nicht als lächerlich sehe.

Genauso entschuldige ich mich für das Wissen, dass ich mir in 40 Jahren angeeignet habe, weil es dafür sorgt, dass Ihr Eure eigenen Unzulänglichkeiten erkennt und Euch in meiner Gegenwart so klein und dumm fühlt wir Ihr tatsächlich seid.

Mea maxima culpa, weil ich nicht oberflächlich bin und auch nicht bereit bin beifallheischend für Dinge zu sein, die mich langweilen, nerven oder beides. 


 Die Fähigkeit zur Reflektion und zum Erkennen der Zusammenhänge gehört ebenso zu meinen jämmerlichen Mankos und versaut Euch den Tag.

Ich schulde Euch ebenfalls eine Entschuldigung für die Respektlosigkeit, die ich Eurer lausigen Existenz entgegenbringe.

Mein Gebahren erschreckt Euch nämlich immer wieder und es tut mir leid, dass ich an Eurer Existenzberechtigung als Teilzeitrebellen und Pseudointellektuellen nicht teilhaben möchte.

Ich bin ein arrogantes, zickiges Ding, das selbst die Konsequenzen ertragen muss, die sie sich einbrockt. Aber wisst Ihr was? Ich mache das richtig gerne. Ich kann in jeden Spiegel schauen ohne mich zu verbiegen. Ich brauche Eure nichtige Anerkennung nicht, weil sie eben nicht zu mir passt. Nein, ich habe gar nichts dagegen einem Mann zu gefallen, aber da liegt ja auch die Krux, denn ich spreche von einem Mann. Schließlich bin ich keine Päderastin, die einen Erziehungsauftrag in der Tasche hat und sich freudig auf die Aufgabe stürzt, Euch etwas Anderers als Eure kleine Welt zu zeigen. Wenn das alles bedeutet, dass ich weiterhin solo bin, dann sei dem so. Immerhin weiß ich nicht nur, was ich an mir habe, sondern auch, was ich an Euch nicht habe.

Danke für die Aufmerksamkeit.

13. Dezember 2009

Erotisierende Worte.

Der M. liest hier mit. Der mag mich anscheinend, wobei mir nicht ganz klar ist, warum dem so ist?

Nun möchte er gerne etwas Erotisierendes von mir hier lesen. Hm. Dabei frage ich mich, was? Dass ich gerade überlege, ob ich lieber einen Vanille- oder Schokopudding möchte? Beides ist nicht gut für mich, da Größe 46 bei 1,60 Meter sowieso zu viel für mich ist. Aber es ist kalt, ich fühle mich einsam und ein bisschen Seelentrost täte mir gut. Wenig erotisierend ist es sicherlich auch, dass ich besonders gerne die Haut auf Pudding mag, aber sei es drum.

Soll ich von O. berichten? Wobei es dort nicht viel zu berichten gibt. Ich glaube, ich bin einfach zu leer für jegliche Erotik, dass ich die alleine gar nicht auf die Reihe kriege, geschweige denn vermitteln kann.

Daher, mein lieber M., es tut mir leid, aber momentan kriege ich da nichts hin. Obwohl Du doch zumindest hier im schwesterlichen Blog mal erwähnt worden wolltest - das hat immerhin geklappt.

Emotionale Überforderung oder ein ganz normaler Samstag

Freundin C. hat eine kleine Wohnung gekauft, die renovierungsbedürftig ist. Weil Eigentum geben wir uns richtig Mühe und machen alles ordentlich und aufwendig. So auch Türen und Türrahmen abschleifen und streichen. C. hat allerdings lediglich einen kleinen Winkelschleifer vom Discounter. Schlecht. Papa hat aber einen fetten Winkelschleifer, irgendwo in den Untiefen des Kellers, den ich seit Jahren meide, weil er so voll ist.

Gestern war es aber soweit, ich wagte mich in Papas 30-Quadratmeter-Keller, wo ungeahnte Schätze weilen. Also zur Seniorin, bei der mich immer Aufgaben erwarten. Gestern war es das langwierige Abnehmen und Wiederaufhängen von Gardinen und Vorhängen. Deine Sis ist Linkshänderin, altmodische Gardinenstangen sind genormt. Beides Fakten, dachte ich. Nein, nicht, wenn es nach der dementen Zicke geht, die der Meinung ist, Gardinenstangen müssen immer von der rechten Seite bedient werden. Ihre Worte ignoriere ich die meiste Zeit, kletterte unter ihrem Gezeter auf die linke Seite der Fensterbank und nahm die Gardinen und Vorhänge ab. Logisch, dass eine halbe Stunde versucht wurde Streitgespräche zu führen. Warum? Konnte sie mir selbst nicht erklären, weil meine linke Methode natürlich problemlos funktionierte.

Sorry Sis, bereits hier lache ich Tränen ... Linke Methode ... saugeile Formulierung! *kicher*

Danach stand das monatliche Sortieren der leeren Wasser- und Bierflaschen in die jeweiligen Kästen an. Nein, sie wollte nicht, weil mal wieder im TV irgendwas lief, was viel wichtiger ist und sie sowieso keine Lust hatte. Wie immer. Beim letzten Großeinkaufen hatten wir zwei Sixpacks mitgenommen, die natürlich einzeln rumstanden, die auch abgegeben werden sollen und daher ins Auto müssen. Tja, großes Problem, denn ich sagte, pack die einzelnen Bierflaschen ein. Wie? Worein? Warum? Ich ließ sie 5 Minuten zappeln, um ihr dann zu sagen, dass einzelne Flaschen sich richtig gut in einem Beutel oder einer Tüte machen und zwecks Transport dort auch gut aufgehoben sind. Gemaule von ihr, weil sie ja wieder zwei Zimmer durchqueren musste, um so ein Behältnis aufzutreiben.

Zurück in der Küche sollte ich den langen Einkaufszettel schreiben und bat sie um ein Blatt Papier, woraufhin sie mir ein kleines Stück Papier vor die Nase warf. Ich bat, mies wie ich bin, um einen DIN-A4-Zettel. Erneutes Gemaule und die Frage, wo sie denn so was auftreiben solle? Ich schwieg, sie erhob sich unter Gemotze und 5 Minuten später hatte ich den Zettel, der auch ziemlich voll war.

Zwei Kästen Wasser, ein Kasten Bier, eine Tasche mit 12 leeren Bierflaschen sowie ein Klappkorb standen mir gegenüber, wobei ich - wie üblich - nur zwei Arme habe. Da die Renterin natürlich nicht 2 Etagen die Treppe runtersteigen wollte, um ihre Kästen zum Auto zu bringen, gab es erneute Gemaule und überflüssige Diskussionen. Schließlich würde sie sicherlich hinfallen und dann? Ausreden über Ausreden, die sich nur um ihre Person drehen. Um wen auch sonst? Nach weiteren 30 Minuten und merkwürdigen Ansätzen ihrerseits ging es endlich in die Garage.

Ich blieb gleich unten, um mich in den Keller zu wagen. Dort angekommen standen mir Tränen in den Augen. Das ist Papas Heiligtum, wo ich immer Assistentin war und nun walten und schalten soll. Weinend schaffte ich es zwei Müllsäcke zu füllen und ein paar leere Kartons zu entsorgen. Auch ein paar von Papas Arbeitsklamotten gehörten dazu. Sie riechen nicht mehr mal nach Papa. Vier Jahre und nur noch ein Schatten, eine Erinnerung ist da. Ich saß minutenlang auf einem Eimer Farbe mitten im überfüllten, staubigen Keller und weinte. Weinte, weil Papa nicht mehr da ist. Weinte, weil ich ihn nirgendwo mehr riechen kann. Weil er nicht mehr mit mir lacht, mir etwas erklärt, mich nicht mehr in den Arm nimmt. Ja, ich weinte um mich, die zurückgeblieben ist, sich weiterhin wie amputiert fühlt und dazu noch die grenzdebile Rentnerin am Arsch hat. Machte mir Gedanken über Doros Worte, die sagte, dass er uns ganz dominiert hat und immer noch da ist, weil wir uns so schwer mit seinem Verlust tun.

Ja, es ist so. Es tut immer noch weh, das körperlich spürbare Loch ist immer noch da. Er fehlt vorne und hinten. Ich verstehe das, lass dich an genau dieser Stelle mal drücken ...Selbst weihnachtlich ist es ohne ihn nicht mehr. Ich mag nicht urteilen, aber er war so wunderbar und immer da - und die Emotionen hauen mich immer wieder von den Socken. Emotionen mit denen ich alleine bleibe, weil sie niemand auffängt, vielleicht auch nicht auffangen kann. Wen interessiert es auch? Die Rentnerin? Nein, sie drückt alle Gespräche weg, wie sie immer und vor allem wegläuft und den Haufen mir vor die Füße kackt.

Irgendwann habe ich imposanten Schwingschleifer gefunden. Als Papas rechtmäßige und würdige Erbin kann ich mit dem Ding sogar umgehen. Klar, was kann ich eigentlich nicht? Was gibt es auf der Welt, dass ich nicht schaffe? Erschütternde Selbsterkenntnisse trafen mich im Keller auch noch. Wie viele von Papas "Aufgaben" und "Jobs" habe ich übernommen ohne recht zu wissen, wie? Ich habe mich in den letzten vier Jahren jeder Herausforderung gestellt, egal wie mühsam und schwer sie war. Ich bin sie angegangen, habe sie bewältigt. Meine Emotionen? Ob ich überhaupt will? Oder jemals einfach nur sagen möchte, ich kann das nicht. Wer hilft mir? Kann mich mal jemand in den Arm nehmen und einfach sein lassen? Keine Fragen von niemanden. Kein Interesse. Nichts. Wohl mein Karma, alles allein schaffen zu müssen und sich dann zu wundern, dass man zum Eremiten wird?

Zurück nach oben, wo die starrsinnige Rentnerin natürlich vorm TV hockte, dass mich anbrüllte, dazu eine Raumtemperatur von gefühlten 30 Grad. Da wir was beim Italiener bestellen wollten, bestürmte sie mich gleich mit dem Gemecker, sie habe Hunger und wann ich endlich was bestellen würde. Würde ich, aber erst, wenn ich mich gewaschen und umgezogen hätte. Denken ist nicht ihre Stärke. Hat sie angeblich nie gelernt und was man ihrer Ansicht nach nicht als Kind gelernt hat, kann man auch mit 70 nicht.

Bestellt und ins heiße, verqualmte Wohnzimmer gesetzt. Ein Anruf von einer Bekannten, die ihr eine Telefonnummer gab. Fragezeichen in meinen Augen und die dumme Idee nachzufragen, was für eine Nummer das sei? Die meines Bruders, der habe Montag Geburtstag und sie werde ihn anrufen. Dass er unter seinen bisherigen Nummern nicht mehr erreichbar ist, sich in psychiatrischer Behandlung befindet, sich seit Februar nicht mehr gemeldet hat und ein Mensch ist, ging ihr verloren. Nein, sie wolle ihn anrufen und mal dem Marsch blasen. Er sei ihr Sohn, sie dürfe das und er habe sich danach zu richten, ihr zu helfen, weil sie so arm dran sei. Ich sagte ihr, das mache mehr kaputt als gut. Warum sie ihn nicht in Ruhe lassen könne? Nein, sie sei die Mutter.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Sie respektiert und akzeptiert niemanden, außer sich selbst. Sie überschreitet immer wieder alle Grenzen, weil sie meint, sie habe das Recht. Sie kennt nur ihre eigenen Grenzen, anderen existieren nicht. Sie unterbricht jeden Satz, den ich beginne. Sie interessiert sich nicht für die Meinung anderer Menschen. Sie hat Recht. Punkt. Wie kann man so sein?

Auch wenn ich meinen Bruder für einen verlogenen Feigling und Drückeberger halte, die Gerechtigkeit kam in mir durch. Mühsam versuchte ich ihr zu erklären, warum es falsch sein ihn zu bedrängen und man niemanden zwingen könne und solle. Ich weiß nicht, ob sie es verstanden hat. Wahrscheinlich nicht. Aber zumindest habe ich es versucht.

Nun ist Sonntag. Ich sitze hier und weine, weil ich mich so überfordert fühle. Nein, mein Leben funktioniert. Was von ihr kommt, laugt mich aus. Kein Wunder, dass ich so wenige soziale Kontakte ertrage und mich die Probleme oder Sorgen von anderen Menschen nicht nur ermüden, sondern mir meist auch klein und nichtig erscheinen. Ich fühle mich wie im kalten Meer treibend und klammer mich an meinen schmalen Rettungsring, der da ich heißt. Weil ich nicht weiß, wer mir wie helfen könnte, halte ich die Klappe und mache, was ich richtig gut kann: Ich helfe anderen, aber das Wasser steigt und steigt. Die Lösung? Keine Ahnung. Kann bitte jemand die DLRG losschicken. Ich brauche Hilfe, bevor ich absaufe ...


Die Arschbacken hast ja zusammen-gekniffen und bist - irgendwie - da durch (Schimpf am Rande: ich zahle meine Telefonrechnungen eben noch, kannst also auch direkt in mein Ohr heulen oder zicken *motz!*)

Sie ist eben Deine Mutter. Dein Bruder ist ein faules, Ego-Erblauer-Stück "...", war er wohl schon immer.
ABER:
Du wirst schon genau das tun, was richtig ist! Und verstehe mich um Himmels Willen nicht falsch!!! Richtig ist immer genau DAS, was Notwendigkeiten gerecht wird und Luft zum Atmen lässt.

Ach Sis, wenn ich mit und bei jemanden weine, dann mit und bei Dir, aber ich glaube, es war richtig einfach mal alles zu schreiben und so gleichzeitig zu sortieren. Mir hat das bereits ungemein geholfen.

Außerdem sind wir beide furchtbar rücksichtsvoll und denken gerne, die andere hat Besseres zu tun ;-)

Ja, genau wie Du. Wir machen immer das Richtige, das Beste aus jedem noch so jämmerlichen Rest. Wir kneifen zusammen, stellen uns zurück - immer in der Hoffnung, das könnte sich ja mal ändern.

Wenn ich mir das fast abgelaufene Jahr so anschaue, erkenne ich eindeutig Verbesserungen zu meinen Gunsten. Wehe, wenn das bei Dir nicht so ist!

6. Dezember 2009

Seniorenbetreuung: Demenz, Altersstarrsinn, Gleichgültigkeit oder Faulheit?

Gestern war ich nach drei Wochen mal wieder bei der Rentnerin. Vor drei Wochen war der Plan, dass sie ihre Steuerkarte an die zuständige Firma schickt, um ihre Betriebsrente zu erhalten.

In den letzten drei Jahren habe ich das gemacht, dachte aber, da sie behauptet ihr Leben alleine zu bewältigen, soll sie das mal ruhig selbst machen. Ich gab ihr einen Brief auf dem die Adresse zu finden ist, an die sie ihre Steuerkarte schicken sollte. Kann ja nicht so schwer sein.

Denkfehler!

Wie gesagt, sie hatte drei Wochen. Gestern kam sie mit einem Wunsch, wie sie es immer nennt. Dazu legt sie einen leidenden Gesichtsausdruck auf, die Stimme bettelt - alles Zeichen, sie will was. Ob ich ihr die Adresse auf den Umschlag schreiben könne, weil sie so schlecht schreiben könne.

Argh, dachte ich. Sie weiß nicht, wo in ihrem Haushalt Briefumschläge zu finden sind, hatte ich ihr gezeigt. Ich habe ihr Briefmarken mitgebracht, weil sie die drei Meter bis zur Post keine Lust hat. Wobei es selbstklebende Briefmarken sind, die sie zwar abzog, aber anlecken wollte. Die Steuerkarte und Adresse hatte sie ja auch vor sich liegen.

Das war auch die Krux, denn der Brief war weg! Weil, den hätte ich ja irgendwo verlegt, auch wenn ich drei Wochen nicht da war. Schließlich habe ich ja auch die Unterlagen für Steuerberaterin sortiert, die davon übrigens sehr begeistert war. Es folgte, was immer folgt, wenn sie ihren Willen nicht kriegt - sie streitet sich statt eine Lösung zu suchen und ist dabei reichlich kreativ. Sie findet immer neue Ideen, hauptsache, sie war es nicht und muss sich auch nicht bewegen. Und das kann sie über Stunden durchziehen.

Sie hat zwei Möglichkeiten, wo der Brief hätte sein können. Also ging ich davon aus, sie setzt die Brille auf, macht Licht an und schaut.

Wieder falsch gedacht, denn dem war nicht so. Sie suchte und schaute, aber nix zu wollen. Wobei ich mir nie sicher bin, ob sie wirklich sucht oder nur so tut, weil sie eigentlich nicht will und überzeugt davon ist, dass sie den Brief ja nicht verlegt hat.

Ich blieb ruhig und ließ se machen, aber der Brief tauchte nicht wieder auf. Dann müsse ich wohl anrufen und die Adresse rausfinden. Ich lehnte ab. Dann müsse ich die Steuerberaterin anrufen, vielleicht hätte die den Wisch. Ich lehnte ab. Wie gesagt, sie ist da sehr kreativ, hauptsache nicht selbst machen.

Der Tag verging, ich machte das Licht an, um meine Sachen einzupacken und nach Hause zu verschwinden. Mein Blick fiel zufällig auf einen Brief, der mir sehr bekannt vorkam und ganz vorne lang. Der Brief mit der Adresse! Nicht versteckt, nicht weit hinten, sondern sofort sichtbar!

Ja, sagte sie, konnte ja auch nicht sein, dass sie den Brief verlegt hat, den hätte ich bestimmt extra versteckt, um sie zu ärgern.

Danke, nun schrieb ich also die Adresse auf einen Umschlag und sie kann die Steuerkarte abschicken. Sie hat es wieder geschafft.

5. Dezember 2009

Bühne?

Sis meinte kürzlich, sie stellt mich auf die Bühne, gibt mir ein Stichwort und lässt mich los... Lustige Idee! Ich lach mich immer noch schlapp, möchte andererseits meine Bedenken darüber zum Ausdruck bringen, ob der Rest der Menschheit wohl mit uns lachen würde.

Ehrlich gesagt: Mir ist der Rest der Welt schnuppe.

Wenn ich losgelassen, über 'mir unpassend erscheinende Zustände' auf meine Art schimpfe, bringe ich also mindestens Sis zum Lachen. Reicht mir, ich weiß, sie versteht mich – irgendwie! Mit den Zecken lache ich auch. Wertvoll!!!

Über die Zecken auch – manchmal. Heute z.B. ...

„Ma, ich hab das Auto. Stell dir vor: elektrische Fensterheber, Klima ....“ Ma: „Ach, Eierwärmer auch?“ „Hä?“ „Sitzheizung (*seufz*)“ „Weiß nicht“ Und sonst, alles schick?“ „Glaub schon, aber ich hab völlig vergessen, ob ich ein Schiebedach habe“ (*Arme Zecke, voll neben der Spur!*) Ma: „Macht ja nix, kannste morgen nachschauen“ „Hm, ich glaub ich werde erwachsen, hab ich echt voll verpeilt“ (Na toll, ich sollte mich langsam ALT fühlen, die Zecke hat das Schiebedach verpeilt, weil die Zecke meint, erwachsen zu werden) LOL
Ich liebe die kleinen Blutsauger unendlich ...


Eindeutig! Allein unser Gespräch, als Du im Krankenhaus warst! Du bist aus dem Stehgreif unendlich unterhaltsam, keine Ahnung, wie Du das machst, aber klappt immer wieder. Kommt gar nicht rüber wie sehr wir immer zusammen lachen, vielleicht schreiben wir die falschen Sachen auf oder sind wirklich situationsbedingt und gemeinsam der Brüller? ;-))

Also, elektrische Fensterheber sind mir auch wichtig, und das Schiebedach, und Winterreifen - ich liebe solche Details. Was hat der Große denn nun für ein Auto? Hättest ja mal dabei schreiben können!
 
Ach Schätzelein, Muddern und Technik .. Was hat er für'n Auto? Golf halt, rot, schnickschnack (kein Schiebedach) und ein Egomanenkennzeichen (klar, oder!!? = "... kack mich tot ...") Naja .. evtl. auch ähnlich ;) Vaddi hat's ja zugelassen.
Und ja, ich hatte angekündigt mich über meinen Krankenhausaufenthalt auszulassen. Ich arbeite mir schon wieder den Hintern rund und habe keine Muße! By the way: Hut ab! Ich weiß echt nicht, wie es hinzubekommen ist, neben all der Arbeit und dem bissel Haushalt noch im Blog zu posten. Ich bin soviel schlechter organisiert als Du *RiesenBettelumMitleidSeufzer-sfg* Im Ernst: Ich schaff's eben gerade und immer wieder nicht! Dafür genieße ich Dein Lachen, wenn wir telefonieren.

Die Idee mit der Stand-Up-Comedy (heißt doch so?) finde ich gar nicht so übel. Die Frage ist immer noch: Will das außer uns beiden irgendein Marsmädel oder -Bub(i)? Ich habe da echt keinen Plan.
Logisch ist das lustig, wenn das so spontan aus uns raussprudelt ... WIR beide sind aber auch irgendwie "Ein Arsch und Ein Eimer". Meiner Erfahrung oder auch nur meiner bescheidenen Meinung nach, kann etwa ein Drittel (vorsichtig geschätzt) der hiesigen Bevölkerung nicht mehr oder sowieso (sollte man mal diskutieren!) nicht eigenständig denken. DAS wäre aber zwingende Voraussetzung, um uns auch nur ansatzweise folgen zu können ... oder!??
Situationskomik schriftlich zu vermitteln, halte ich im Übrigen für beinahe unmöglich.
LG
schieferblau
PS: Wenn ich mich ärgere, halte ich mich auch eher für alles andere, als lustig!!! *grinsel* Du verstehst es andererseits par excellence mich zu beruhigen.


Golf, nun ja, was soll ich dazu sagen? Hauptsache, der Junge ist glücklich ;-)

Ach, ich denke für mich ist hier schreiben wie Therapie, daher schaffe ich es. Ansonsten bleibt hier halt schon mal was im Haushalt liegen. Habe mir letzte Woche den Knöchel verknackst und kann seitdem kaum laufen, daher alle Aufträge für dieses Jahr bereits beendet und viel geschafft, aber meine Bude sieht aus. Ohje!

Nöö, ich glaube, wir sind zu schnell und reden dementsprechend, das verstehen wenige, aber wer weiß? Vielleicht unterschätzen wir den Mob?

Wir kriegen zusammen alles hin!!