6. Dezember 2009

Seniorenbetreuung: Demenz, Altersstarrsinn, Gleichgültigkeit oder Faulheit?

Gestern war ich nach drei Wochen mal wieder bei der Rentnerin. Vor drei Wochen war der Plan, dass sie ihre Steuerkarte an die zuständige Firma schickt, um ihre Betriebsrente zu erhalten.

In den letzten drei Jahren habe ich das gemacht, dachte aber, da sie behauptet ihr Leben alleine zu bewältigen, soll sie das mal ruhig selbst machen. Ich gab ihr einen Brief auf dem die Adresse zu finden ist, an die sie ihre Steuerkarte schicken sollte. Kann ja nicht so schwer sein.

Denkfehler!

Wie gesagt, sie hatte drei Wochen. Gestern kam sie mit einem Wunsch, wie sie es immer nennt. Dazu legt sie einen leidenden Gesichtsausdruck auf, die Stimme bettelt - alles Zeichen, sie will was. Ob ich ihr die Adresse auf den Umschlag schreiben könne, weil sie so schlecht schreiben könne.

Argh, dachte ich. Sie weiß nicht, wo in ihrem Haushalt Briefumschläge zu finden sind, hatte ich ihr gezeigt. Ich habe ihr Briefmarken mitgebracht, weil sie die drei Meter bis zur Post keine Lust hat. Wobei es selbstklebende Briefmarken sind, die sie zwar abzog, aber anlecken wollte. Die Steuerkarte und Adresse hatte sie ja auch vor sich liegen.

Das war auch die Krux, denn der Brief war weg! Weil, den hätte ich ja irgendwo verlegt, auch wenn ich drei Wochen nicht da war. Schließlich habe ich ja auch die Unterlagen für Steuerberaterin sortiert, die davon übrigens sehr begeistert war. Es folgte, was immer folgt, wenn sie ihren Willen nicht kriegt - sie streitet sich statt eine Lösung zu suchen und ist dabei reichlich kreativ. Sie findet immer neue Ideen, hauptsache, sie war es nicht und muss sich auch nicht bewegen. Und das kann sie über Stunden durchziehen.

Sie hat zwei Möglichkeiten, wo der Brief hätte sein können. Also ging ich davon aus, sie setzt die Brille auf, macht Licht an und schaut.

Wieder falsch gedacht, denn dem war nicht so. Sie suchte und schaute, aber nix zu wollen. Wobei ich mir nie sicher bin, ob sie wirklich sucht oder nur so tut, weil sie eigentlich nicht will und überzeugt davon ist, dass sie den Brief ja nicht verlegt hat.

Ich blieb ruhig und ließ se machen, aber der Brief tauchte nicht wieder auf. Dann müsse ich wohl anrufen und die Adresse rausfinden. Ich lehnte ab. Dann müsse ich die Steuerberaterin anrufen, vielleicht hätte die den Wisch. Ich lehnte ab. Wie gesagt, sie ist da sehr kreativ, hauptsache nicht selbst machen.

Der Tag verging, ich machte das Licht an, um meine Sachen einzupacken und nach Hause zu verschwinden. Mein Blick fiel zufällig auf einen Brief, der mir sehr bekannt vorkam und ganz vorne lang. Der Brief mit der Adresse! Nicht versteckt, nicht weit hinten, sondern sofort sichtbar!

Ja, sagte sie, konnte ja auch nicht sein, dass sie den Brief verlegt hat, den hätte ich bestimmt extra versteckt, um sie zu ärgern.

Danke, nun schrieb ich also die Adresse auf einen Umschlag und sie kann die Steuerkarte abschicken. Sie hat es wieder geschafft.

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