12. März 2010

tischbeißerei.

Manchmal verstehe ich die Welt nicht so ganz. Muss ich vielleicht auch nicht, schön wäre es aber schon, zumindest hilfreich.

Es begab sich, dass ich letztes Jahr ein nettes Projekt angeboten bekam. Ein Hörbuch zu lektorieren, das sich hauptsächlich im Mittelalter, maximal im 19. Jahrhundert abspielt - also genau mein Ding. Bezahlung okay, Umfang okay, alles okay.

Dann ging es los und ich ackerte mich durch ein Manuskript, das jemand geschrieben hat, der zwar gut recherchieren, aber gar nicht schreiben kann. Vier Wochen dauerte es und ich machte eindeutig mehr als ein übliches Lektorat verlangt. Sei es drum.

Das Teil der Autorin geschickt und gewartet, gewartet und gewartet. Die Deadline des Verlages nahte, die Autorin gab nichts von sich. Nach 2 Monaten kam das Buch zurück zu mir, weil noch Änderungen zu machen sein - ich hätte 2 Tage Zeit. Was? Sie fummelt 8 Wochen hier und da an Kleinigkeiten rum, ich soll in 2 Tagen alles retten? Ich habe es in 4 Tagen geschafft, die Rückmeldung vom Verlag war: Klingt super, stilistisch flüssig und alles schön. Ich lehnte mich zurück, schrieb in Gedanken bereits die Rechnung und dachte, Projekt durch.

6 Wochen später ruft eine aufgeregte Autorin bei mir an, der Verlag wolle das Buch so nicht veröffentlichen, weil es der letzte Dreck sei und der Verlag werde nun den eigenen Lektor beauftragen, der so was kann, die Autorin müsse ihn halt bezahlen. Ich ahnte Schlimmes. Mir eigentlich egal, was der Verlag denkt und warum er so zwiespältig reagiert, hauptsache, der Dreck kommt nicht zurück und sie bezahlt. Macht sie auch, allerdings erst im April und im Mai, denn sie will Ratenzahlung. Okay, mache ich auch mit, nage ja nicht am Hungertuch.

Heute kam eine Mail von ihr. Mit dem überarbeiteten Buch anbei. Ich öffnete, las und dachte die ganze Zeit nur, was haben die eigentlich verändert? Die Überarbeitungen sind minimalst, 95 Prozent meines Textes sind erhalten geblieben, dafür haben sie schicke und dumme Fehler in die Rechtschreibung gepackt. Abzocke? Dummheit? Keine Ahnung, ich rege mich nicht auf, lohnt sich einfach nicht, ich wundere mich - und werde, falls ich jemals mit einem Verlag über meine Texte verhandel, den Vertrag so was von meinen Anwälten überprüfen lassen!! 

Spannend. Lektor ist nicht gleich Lektor. Traurig - eigentlich.
Jemand bekommt - vermutet - das gleiche Geld, leistet aber weniger oder "Schlechteres". Mach Dich nicht verrückt! Das Leben ist unfair und dennoch wirst genau DU gebraucht. Es gibt ja nicht nur Deppen in der Welt! (ich verstehe inzwischen auch den Hang zu Akademikern) 

Ich kann mit jedem - glaubte ich. Manch eine(r) überfordert mich, habe ich feststellen dürfen. Ein gewisser Intellekt hilft; ...

Das Problem ist ganz einfach: Der Beruf Lektor, ist wie viele andere nicht geschützt, ergo kann sich jeder so nennen und die verschiedenen Verlage handeln zur ihrem eigenen Nutzen, selten zum Nutzen des Buches, der Autoren. Geld regiert oftmals leider die Welt. 
Nein, ich mache mich nicht verrückt, die Dame spinnt immer mehr und ist die längste Zeit meine Kundin gewesen, was u. a. auch an ihrer Zahlungsmoral liegt.

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