16. Juni 2008

Klotz und Medusa

Da steht er plötzlich vor mir. Klotz: 2 Meter groß, massig, eine Ausstrahlung und Charme wie man sich einen Hinterwäldler aus den Karpaten vorstellt grinst er überheblich auf mich herunter. Ich zucke leicht mit einer Augenbraue, habe Blut geleckt und will spielen, also lächel ich ihn an und frage mit einem unschuldigen Blick meiner Kulleraugen, was er denn so tue? Schließlich sind wir auf einem Netzwerktreffen, Big Business also.

Ich mache Menschen glücklich. sagt er aus voller Brust und mit arroganter Überzeugung. Gewagte Worte von dem ungehobelten Klotz und so fordere ich ihn auf mir weitere Informationen zu geben. Klotz faselt von Manipulation, NLP, Menschen auf den rechten Weg bringen. Mit einem harmlos erscheinenden Lächeln frage ich ihn, wie er denn dazu komme und ob er irgendeine Qualifikation vorweisen könne, letztendlich spiele er ja mit Menschen. Ja, aber natürlich, er habe eine angefangene Ausbildung zum Heilpraktiker. Ahja!

M., der perfekte Coach und ein wunderbarer Mann, kann nicht mehr und läuft kichernd davon.

Klotz berichtet von seiner Frau, die genau wie ich Philologin und freischaffende Texterin und PR-Schickse sei. Irgendwie klingt es aus seinem Mund eher wie die Beschreibung einer ekelerregenden Krankheit wie der Beulenpest.

Ich hege die leise Hoffnung einen gleichgesinnten Geist zu treffen und er winkt sie prompt mit einer kleinen Handbewegung heran für die die Queen sicher jahrelang geübt hat. Vielleicht will er auch nur den peinlichen Moment des Eingestehens seiner eigenen Unzulänglichkeiten überbrücken.

Sie folgt artig, steht vor mir, reicht mir wie Klotz nicht die Hand und kann mir, ebenfalls wie Klotz, nicht in die Augen schauen. Erinnert an eine kleine, jüngere Ausgabe einer Hutzelhexe und spontan fällt mir Medusa ein.

Sie spricht abgehackt, ihre Stimme springt unsicher die Tonleiter rauf und runter. Ihre ganze Körpersprache strotzt nur so von Unsicherheit und nach jedem Satz schaut sie devot Klotz an, wahrscheinlich soll er mit einem gönnerhaften oder missbilligendem Blick seine Zustimmung oder das Gegenteil mitteilen.

Sie sei promovierte Philologin und so erfahren in allen Bereichen, die mit Worten zu tun habe, da kenne sie sich aus, genau ihr Fachgebiet. Soso, denke ich mir und frage natürlich nach, was sie denn studiert habe? Deutsch und Englisch auf Lehramt. Voll die Philologin!

smaragdgrün

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