21. Juni 2008

Selbstgemachte Sorgen und Probleme oder männliche Profilneurose

Ich habe ihr einfach einen Namen, den es vielleicht sogar bereits gibt, gegeben, der Krankheit oder Störung, die so viele Männer befällt. (@DP: Vielleicht auch viele Frauen, ich kenne nur keine)

Entweder lerne ich dauernd entsprechende Exemplare kennen oder es gibt viele Befallene. Die Anzeichen (und Ausprägungen) mögen unterschiedlich sein, aber allen gemein ist, dass sie furchtbar langweilig sind, keine Interessen haben und sich schon gar nicht für andere Menschen interessieren. An sich sind sie liebe Kerle, die nicht auffallen und niemandem weh tun, aber genau da liegt die Krux, denn wie soll man sie bemerken oder sich für sie begeistern?

Sie sind wie alte Autoreifen - sie haben kein Profil, in das man eintauchen kann und will, sie geben einem nicht das (trügerische) Gefühl von Sicherheit und Halt, sie übernehmen keine Verantwortung (nicht mal für sich selbst), haben keinen eigenen Stil, sehen also nach nix aus und trotten träge und stoisch durch ihr meist belangloses Leben. Sie sind einfach nicht für einen da und taugen nix.

Und dann jammern sie meist leise vor sich, dass sie zu nett sind und keine Frau sie haben will, weil Frauen auf Ärsche und Schweine stehen. Jo, Frau will sich ja auch nicht zu Tode langweilen und das Etwas an ihrer Seite dauernd zum Trog tragen. Klar, was will Frau auch damit? Wer braucht schon einen Mitläufer, der richtig glücklich ist, wenn er still auf dem Sofa hockt, regelmäßig irgendeine Mahlzeit bekommt und solange der Fernseher läuft alles gut ist? Der nichts mit sich, und schon gar nicht mit anderen anfangen kann, weil worüber reden und warum überhaupt reden? Spontanität kennen sie, weil sie das Wort vielleicht mal irgendwo gehört haben oder versucht haben es zu lesen, ist ja auch ein langes, schweres Wort. Sie lieben und leben Routine, auch wenn sie es gerne als Gemütlichkeit auslegen. Sie fühlen sich auf der sicheren - und langweilen - Seite des Lebens absolut wohl.

Ich stelle mir Sex mit so einem Subjekt vor: Er zieht sich aus, springt auf mich, macht fertig und schläft ein. Verhütung überlässt er mir, weil denken ja nicht seine Stärke ist, aber zumindest denkt er dran, weil Kinder ja noch anstrengender als ich sind, andererseits interessiert er sich ja auch kaum für die Kinder und diese lenken Frau von ihm ab, was noch mehr Ruhe für ihn bedeutet.

Am Wochenende erwartet er die orale Befriedigung und Lob und wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, überlegt er sich vielleicht mal, dass ich mir unter Sex was anderes vorstelle, wobei wir nicht drüber reden werden.

Aber halt, so weit muss er es erst einmal schaffen, bis es zu Sex kommt, meine ich. Und falls er das schafft, verlässt ihn die durchschnittliche Frau sowieso, je nach Charakter und Eigenschaften, resigniert, enttäuscht oder wütend nach relativ kurzer Zeit und schnappt sich - genau - einen Arsch oder bösen Mann, von dem sie weiß, dass er sie nur benutzt, verletzt und früher oder später verlässt, aber mit ihm hat sie Sex, der Spaß macht, weil er sich, zumindest temporär für sein Gegenüber interessiert.

Er zeigt nicht sein Gemächt und erwartet bereits dafür Applaus, er bringt es einfach zum Einsatz. Er wechselt seine Unterwäsche regelmäßig und riecht gut, denn er weiß, was Frauen wollen. Er hat bestimmt ein merkwürdiges Hobby oder komische Interessen, aber nach dem Langweiler zuvor erscheint Frau der Übelmann als pures Abenteuer und reine Wohltat.

Böse Jungs haben einen Job, vielleicht keinen sicheren, aber auf jeden Fall einen interessanten. Sie tragen keine 08/15-Klamotten, sie erscheinen einzigartig, haben Stil und Chuzpe. Sicher, auch sie haben einen Knall und oft Angst vor Bindung, Beziehung und Verpflichtungen und vielen anderen Dingen, aber zumindest werden sie bemerkt und jammern nicht rum. Sie sind außen hui, innen pfui, haben aber ein großes Hui mehr als alle Langweiler.

Diagnose und Heilungschancen bei männlicher Profilneurose?
Tja, Selbsterkenntnis tut weh und dazu muss man es erstmal aus der Lethargie schaffen. Und dann muss man nachdenken und sich fragen, wer man ist, wohin man will und was das alles überhaupt soll. Dann muss man handeln, ach Du je!

Und da sind sich alle Typen von Männern ähnlich: Sie sind selbstgefällig und leben ein (Traum-)Bild von sich selbst. Demnach sind sie alle spannende, aktive, kluge Helden, die vor Potenz nur so strotzen und denen alle Frauen nachlaufen, weil sie so unsagbar klug, weise und schön sind. Sie stellen keine oder völlig überzogene Anforderungen, von denen sie selbst denken, dass sie diese locker erfüllen, was sie natürlich so gar nicht tun. Das nennt man dann Omnipotenz-Phantasien, aber dazu demnächst mehr.

smaragdgrün

PS: Nöö, es gibt keinen aktuen Fall in meinem Leben. Ich halte mir solche Jungs (mittlerweile) konsequent vom Leib, aber sie versuchen es natürlich, weil ich ihnen das Leben vereinfachen oder überhaupt ein Leben geben soll. Natürlich zu ihren Bedingungen und natürlich bin ich ihnen zu anstrengend, denn ich stelle Fragen, hinterfrage und mache nicht einfach begeistert die Beine breit und huldige dem Nichts!

PPS: Ich habe so ein Exemplar in der Familie. Er merkte mit knapp 45 Jahren, dass seine Beziehungen alle für den Arsch waren und sind und er keinerlei Profil hat. Er kann nix und weiß nix, dachte aber immer, es merkt nur keiner wie toll er ist. Das er vor sich und seinen Problemen wegläuft, sich daher regelmäßig besäuft, heult oder cholerisch rumschreit. Er lebte an der Oberfläche mit Sauf-Urlaub auf Mallorca oder in der Türkei, Motorradfahren am Wochenende, einem langweiligen Job, der keine wirklichen Anforderungen an ihn stellt und ebensolchen oberflächlichen, belanglosen Menschen. Seit ein paar Monaten hat ihn ein Psychologe in den Fingern und bereits viel begriffen, es besteht also durchaus Hoffnung.

PPPS: Sista rief gestern und ich war wieder nicht da, aber morgen habe ich Zeit und werde es hoffentlich mal hinkriegen in Ruhe und ausgiebig anzurufen.

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