16. Oktober 2009

Seniorenbetreuung: Das Telefon, ein Wunder an Technik

Weil der Telefonvertrag der Erzeugerin bereits etliche Jahre auf dem Buckel hatte und in Bälde nicht angeboten wird, wurde ein neuer abgeschlossen. Die Krux war allerdings, dass auch ein neues Telefon angeschafft werden musste.

Der Haken daran ist nicht nur die Faulheit der Seniorin, die es ihr Leben lang bevorzugt an den Trog getragen zu werden, sondern auch ihr eher schlichtes Gemüt. Als ein Seniorentelefon, bestehend auf einem schnurlosen und einem schnurgebundenen Telefon, im Angebot war, schlug ich zu, schließlich kann dieses Telefon nichts, aber auch wirklich nichts. Die Tasten sieht ein Blinder, es leuchtet, es blinkt, es schlägt Alarm und es kann nichts.

Das schnurgebundene Telefon, das natürlich ich angeschlossen habe, weil ich sowieso auch den Vertrag kündigen und einen neuen abschließen musste, erwies sich als problemlos. Lediglich ein rotes Lämpchen irritierte die Seniorin. Es stellte sich raus, dass dieses kleine Licht leuchtete, wenn das schnurlose Telefon nicht aufgelegt wurde.

Das schnurlose Telefon hat natürlich zwei Tasten mehr: Auflegen und Annehmen, was nicht so ganz zu vermitteln war. Schlimmer aber erwies sich die Tatsache, dass Seniorin keine Lust hat meinen Erläuterungen zu lauschen oder die Gebrauchsanweisung, die sehr seniorenfreundlich ist, zu lesen.

Nebenbei erklärt sei, dass Seniorin nicht so gut hört, was sie aber vehement bestreitet, denn ich höre angeblich zu gut und der Fernseher ist nicht laut.

Zurück zum Telefon. Er läutet, jemand ruft an. Seniorin geht ans Telefon, hört angeblich nichts und drückt wahlos auf den Tasten rum. Nicht so gut, weil sie nämlich die Lautstärke so reduziert, dass selbst ich nichts mehr höre. Daher erkläre ich ihr, dass, wenn sie ein Gespräch annimmt, kurz Bescheid gibt und die türkise Taste drückt, die den Lautsprecher anmacht, wodurch sie alles hört. Ich finde, das ist nicht schwer: Grün gleich annehmen, rot auflegen, türkis Lautsprecher. Das haben wir wochenlang immer wieder geübt, so dass ich davon ausging, nachdem ich es fünfmal erklärt habe, sitzt das.

Weit gefehlt, denn heute rief ich sie an, sie hörte nichts, ich schrie "TÜRKIS!!", sie drückte wahllos herum und mich in die Warteschleife. Sie dachte, sie hätte aufgelegt. Hatte sie aber nicht. Ich konnte sie nicht anrufen, weil sie nur eine Leitung hat und die nicht frei ist. Nach drei Stunden hat sie das wohl auch bemerkt und rief mich an. Sie habe die Taste Auflegen gedrückt ...

Ich erkläre ihr, nee, sie habe mich auf halten bzw. in die Warteschleife gepackt. Nöö, das gibt es gar nicht, das habe ich mir ausgedacht, um sie doof darstehen zu lassen.

Es folgt die übliche Tirade, das es eine Gebrauchsanweisung geben würde, die man überfliegen könne und außerdem seien dort auch Bilder zu finden. Nein, auf dem Telefon ist kein Bild. Der übliche Versuch Recht zu haben, wobei man ganz genau weiß, man hat nicht Recht!

Nachtrag:
Das Telefon rauscht ein wenig und weil Seniorin ja weder will noch kann, schaute ich heute mal nach. Das Kabel, welches den Hörer mit dem Telefon verbindet, war locker, es machte "Klack" und ward wieder funktionierend. Und nun rate mal, was kam: Das war ich aber nicht! Auch so ein beliebter Satz von übriggebliebenen Müttern, scheint es. 


Hm, als Mutter und noch nicht Seniorin habe ich soeben beschlossen, ein Großtastenhilfetelefon in Anspruch zu nehmen, wenns denn soweit ist. Nicht, dass ich deinen Frust schmälern wollte, aber ich musste - sieh mir den Abstand nach - grinsen. Dreh ihr irgendein Notruf-Tele an (große Tasten) und schick ist. Und immer dran denken: Wir kommen in ihr Alter ...irgendwann. 

Öhm, es ist ein Seniorentelefon mit übergroßen Tasten. Es kann nix, es ist groß, laut und blinkt. So sieht es aus.

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