22. Oktober 2007

Teil 1 - Nervensägen aus ‚Familie Schlau’ oder ‚Familie Wichtig’

Gestern hatte ich mal wieder so eine Nervensäge live.

Flughafen XYZ, die Maschine verspätet, ich müde und leicht genervt und obenauf serviert man mir Frau Wichtig. Super! Madame hatte einen Rucksack, einen Trolly, ein Laptop in der üblichen Umhängetasche und zwei ‚Tütchen’ plus Handtasche. Natürlich alles Handgepäck! Ja, ja.

Merkwürdig, das Flughafenpersonal sah das irgendwie anders. Es wurde diskutiert.

Mir persönlich ist es ja wurschtegal, mit welchem Gedöns Frau Wichtig sich ggf. durch den engen Gang im Flugzeug schleppt. Aber, es gibt eben Vorschriften und Regeln. Wenn mir auch nicht alle Regelwerke sinnvoll erscheinen, z.B. die Rechtschreibreform, so kann ich mit den meisten doch wunderbar leben. Frau Wichtig kann das nicht. Madame bekam einen infantilen Wutanfall, stampfte derart mit den Beinchen auf, dass so manch ein dreijähriger Pimpf vor Neid erblasst wäre, und pöbelte lautstark über den Flughafen. 'Überall käme sie mit genau diesem Handgepäck durch ... blablabla und blubber.'

Stau, nichts ging mehr. Jetzt musste erst zusätzliches Personal anrollen. Während man Frau Wichtig freundlich anbot, doch einfach nicht zu fliegen oder ihren Trolly als Gepäck aufzugeben, durften die restlichen Fluggäste, ebenso kopfschüttelnd wie ich, endlich in das Flugzeug einsteigen. Madame hatte sich derweil wohl auch entschlossen fliegen zu wollen, stampfte immer noch motzend, ohne ihren Trolly durch den Gang und saß natürlich exakt hinter mir! Welch Freude. Zu allem Überfluss fand sich dann auch gleich auf ihrem Nachbarsitz ein Verbündeter für sie: Herr Schlau

Herr Schlau, der vermutlich höchstens einmal im Jahr ein Flugzeug von innen sieht, sah sich veranlasst, der immer noch pöbelnden Frau Wichtig mitzuteilen, dass ER, der Held der Koffer, aus den USA ohne jegliches Theater schon mit 180 kg Gepäck geflogen sei. (Zur Erinnerung: Es ging eigentlich um das Handgepäck!)

O.K., an dieser Stelle verließ mich dann meine gute Kinderstube. Ich habe mich aus meinem Gangplatz geschält, mich umgedreht und Herrn Schlau boshaft laut gefragt, ob er denn seine 180 kg HANDgepäck auch ganz alleine in den Flieger getragen hat. Stille! Na ja, bis auf die ältere Dame, die es neben mir vor Lachen beinahe aus dem Sitz gehauen hätte, war es schlagartig recht ruhig um mich herum. Und weil ich eben so schön in Schwung war, habe ich Frau Wichtig, die mir irgendwie den Eindruck vermittelte, etwas sagen zu wollen, gleich mit meinem schönsten Lächeln bedacht und ihr mitgeteilt, dass es entzückend von ihr wäre, wenn sie jetzt einfach mal tief Luft holt und selbige solange wie möglich in der Lunge behält.

Man soll es nicht für möglich halten, weder Herr Schlau noch Frau Wichtig hatten den Rest des Fluges noch irgendetwas mitzuteilen.

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‚Herr Schlau’ steht für alle, die eigentlich von NICHTS eine Ahnung haben, aber überall und zu jedem Thema ihre unqualifizierten Bemerkungen loswerden müssen, natürlich ggf. verziert mit entsprechenden Übertreibungen.
‚Frau Wichtig’ belegt mehr so die Abteilung „übersteigerte Geltungssucht“.

Selbstverständlich gibt es auch ‚Frau Schlau’ und ‚Herrn Wichtig’.

Herrn Wichtig begegnet man häufig an der Frischetheke für Käse, Fleisch oder Wurst im Supermarkt. Herr Wichtig ist der, der natürlich vor mir ansteht und mit dem neuesten Mobiltelefon ganz wichtig zu hause oder wo auch immer anruft, um wen auch immer zu fragen, ob er 100 g Leberwurst mitbringen soll. In Extremfällen zählt er das restliche Sortiment in der Auslage auf, nennt alle Preise dazu, hat fünfzehn Minuten meiner wertvollen Zeit gestohlen und kauft dann doch sicherheitshalber gar nichts oder irgendein abgepacktes Zeug.

Herr Wichtig fährt auch Bahn. Natürlich nicht ohne sein Mobiltelefon. Das braucht Herr Wichtig um Frau Wichtig Bescheid zu geben, dass er noch in der Bahn, aber in geschätzten fünf Minuten zu hause ist.

- Fortsetzung folgt! -

3 Kommentare:

smaragdgrün hat gesagt…

Frau Wichtig trifft man auch in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Businesstreffen, wo sie dann sich dann übertrieben breit macht, alle mit den Namen ihrer Kleidungsstücke nervt (die niemanden interessieren), wichtige Tipps zur Ernährung und zum Leben gibt (die niemand wissen will und die auch nichts taugen) - neureiches Gesocks ohne Grundlage und meist auch ohne Intellekt, Bildung oder Erziehung. :-)

Herrn Wíchtig begegne ich im Straßenverkehr, wo er gerne der Meinung ist, er habe generell Vorfahrt und Regeln gelten nicht für ihn. Er überholt mich gerne, weil ich ja die Ruhe weg habe - um an der nächsten Ampel mein Lächeln neben sich zu sehen, denn schneller ist er nicht und rote Ampeln gelten leider auch für ihn. Er drängelt vor der Einfahrt zum Supermarktparkplatz, denkt dann, er fährt einen Panzer, weil er zu doof zum einparken ist. :-))

Jaja, ist schon toll, wie manche Menschen ungerechtfertigt Anspruch auf Ausschließlichkeit haben wollen...

smaragdgrün hat gesagt…

Achja: Wenn es denn nur das Handy wäre! Nicht nur, dass die Dinger dauernd überall klingeln oder lautstark Musik abspielen, die ich nicht hören will, nööö, ich muss mir auch ungebeten unzählige Gespräche anhören und erlebe es, dass Menschen unhöflich mitten im Gespräch mal eben eine SMS tippen müssen und das nicht, weil es wichtig ist, sondern weil sie abhängig sind. Und dazu kommen dann noch PDA, MP3 und wie sie alle heißen. Im Pott nennt man sowas Klüngelskerl :-)

schieferblau hat gesagt…

schon klar, Herr Wichtig parkt dann ja auch auf dem Frauenparkplatz! *lach*

Und ja, auch ich liebe es: Man sitzt in der Bahn und wird von links mit Techno-Rhytmen beschallt und rechts kann man sich Gedanken über den Sinn und Unsinn von RAP-Texten machen.

Irgendwie bin ich oft zu alt für derartige musikalische Exzesse; vorzugsweise knapp nach dem Aufstehen oder nach einem langen Tag. Den Rest der Zeit bin ich eher 'k(r)ampferprobt', was mit Sicherheit am vorhandenen Nachwuchs liegt.