12. Februar 2010

Dinge regeln sich von selbst.

Falls es gewünscht wird, muss ich enttäuschen, denn die Seniorin wird als Thema hier im Blog ebenso wie in meinem Leben immer weniger auftreten, wegen Nichtigkeit.

Ich habe festgestellt, dass ich sie problemlos ignorieren kann und einfach nicht auf ihre miesen Spielchen eingehe und schon läuft es. Gut, sie sieht mich nur noch alle 2 Wochen und muss selbst ran. Sie hat es vielleicht wieder mal nicht verstanden, jammert und beschwert sich auch, aber sie lässt mich. Sie versucht mir meinen Raum zu lassen und ich nehme ihn in Anspruch - und es geht mir viel viel besser mit dieser innerlichen und äußerlichen Distanz.

Auch hier ist und war Geduld wie immer das Zauberwort. Die Zeit bringt immer eine Lösung. Und der Klügere gibt nach. Und wie immer, wenn sich etwas im Kleinen bewegt, zieht es Kreise, wirft Wellen, bringt etwas in Schwung. Das Leben zeigt sich langsam sonniger, friedlicher, entspannter, freier. Und ich liebe diese Freiheit, diese Offenheit, diese Durchlässigkeit.

Mag vielleicht auch am regemäßigen Yoga liegen. Regelmäßige körperliche Anstrengung kombiniert mit Konzentration und Entspannung und besonders die wonnige Ayurveda-Massage danach.

Vielleicht musste ich erst durch Jammertal, um die Aussicht zu genießen? Vielleicht lerne ich erst, wenn es weh genug tut, wenn Grenzen heftig angestoßen werden? Immerhin, ich werde immer schneller. Sehe sehr viel schneller klarer. Ich lerne Unnötiges immer mehr zu vermeiden. Das Notfallwarnsystem funktioniert prächtig, wenn man es bemerkt. Zusammenhänge erschließen sich, ergeben einen Sinn, Details leuchten auf.

Das Alter? Der Verfall? Die Erfahrung? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, es ist gut. Ich werde immer wieder stolpern, aber ich weiß ganz genau, es wird mich nicht mehr erschrecken und mit kleinen Blessuren kann ich leben. Ich laufe weiter. Erfreue mich an kleinen Dingen am Wegesrand, lausche dem leisen Plätschern des Meeres, erlebe die Stille und kann voller Überzeugung sagen, ich bin ich und das ist wunderbar.

Ich drück Dich.
Dinge regeln sich von selbst - manchmal über die Zeit.

Geduldig sind wir sicher. Der Altruismus ist uns beinahe Strafe. Genug geschwafelt! Das uns nahe stehende Menschen immer unsere Aufmerksamkeit bekommen, ist in Ordnung. Das wir dabei zu Grunde gehen, ist Mist. Wir müssen also einen Ausweg finden, um nicht unter zu gehen. Dauert manchmal, aber wir sind ja nicht völlig deppert (... was auch immer der Pöbel zu glauben meint ;) ... )

Aber dennoch, halte den Kontakt zu der Seniorin, wenn Du kannst. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn Du keine Ahnung hast, wie Du - auf Grund jahrelangen Kontaktmangels - reagieren sollst, wenn so Senioren ernsthaft erkranken. Mein liebreizender Bruder hat es bis heute nicht geschafft, sein Kontaktgesuchen in eine reale Begegnung münden zu lassen. Andererseits war eine seiner Termin-Absagebegründungen die ernsthafte Erkrankung "unserer" Mutter. Toll. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, was ich ihm antworten soll. Noch vor ein paar Jahren hätte ich wohl ein schlechtes Gewissen entwickelt ...

Ich habe tatsächlich einige Tage gebraucht, um mir Revue passieren zu lassen, wie "unsere" Mutter sich mein Leben lang, mir gegenüber, verhalten hat. Bestimmt gab es Phasen, die ich für nachvollziehbar empfinden könnte ... für ein schlechtes Gewissen auf meiner Seite reicht es einfach nicht.
Es würde mich wundern, wenn mein Bruder sich noch einmal meldet. Schade eigentlich. Obwohl ich ihn damals erschlagen hätte können (gefühlt!!!) - ich würde mir ein Stück Familie wünschen. Das Fatale daran ist, ich weiß schon, er bräuchte das Stück Familie dringender, als ich. Eigentlich zum Heulen, oder!?
Was auch immer Dein 'Bauch' Dir sagt ... die Hauptsache sollte sein, dass es DIR dabei gut geht. Wenn ich mit meinen paar Lenzen eins glernt habe, dann, dass ich nur dieses eine Leben habe.
...
LG, drück Dich Sis,
schieferblau

Erst einmal danke für Dein Lebenszeichen, wurde Zeit.

Eben, wir lassen keinen Menschen hängen, liegt uns irgendwie beiden nicht. Manchmal überziehen wir darum wohl unser Geduldkonto und spielen mitgehangen-mitgefangen etwas zu lange mit.
Ich bleibe dabei, dass innerlich und äußerlich distanzieren manchmal einfach ein Weg ist, der hilft. Manchmal hilft meutern und manchmal muss man auch einfach verschwinden. Im Falle der Seniorin hilft es, sieht sie sogar selbst so. Den täglichen Anruf absolvieren wir beide, wobei ich mir geduldig anhöre, was die Nachbarn, die bucklige Verwandtschaft und das TV-Geschehen veranstalten und Neuigkeiten meiner Person oder meines Lebens völlig irrelevant, nichtig und uninteressant sind. Ist halt so, kannse machen nix, steckse nich drin und kratzt mich kaum noch. Mehr als ein müdes Lächeln ringt sie mir nicht mehr ab. Klappt also und von schlechtem Gewissen keine Spur bei mir.

Ja, der Pöbel. Die verwechseln zu oft unsere Gutmütigkeit und Geduld mit Dummheit, aber Du weißt auch, meist sind sie am Ende die Gearschten. Was macht eigentlich das Sparschwein? Zahlt sie zurück?

Dein Bruder ist halt auch so eine feige Pappnase wie meiner. Bedürftig, aber keinen Arsch in der Hose, um zu sich zu stehen. Schade eigentlich, aber wenn er meint, soll er. Sein Karma beißt ihn in den Arsch, ich gehe davon aus, er versucht selbst vor sich selbst noch davon zu laufen!?

Ich weiß, mein Bruder meldet sich wieder, wahrscheinlich wenn er Geld braucht oder Hilfe. War bisher immer so und wird sich nicht ändern. Immerhin bei dem Thema sind sich die Seniorin und ich einig, O-Ton: Wenn er wenigstens in irgendeiner Beziehung hilfreich wäre, aber so? Wie soll ich etwas vermissen, was ich nicht kenne? Ich hatte nie einen Bruder, weder einen großen noch einen kleinen. Eigentlich bin ich wohl ein Einzelkind, auch okay, muss ich mir lediglich ein paar Einzelkindallüren zulegen :-))

Jo, wahrscheinlich haben wir nur dieses Leben und darum sollten wir es nutzen, genießen und auskosten - und zwar nach unseren Wünschen und nicht denen der anderen. Du weißt, was dabei rauskommt, ich auch, ergo lass uns leben! Wann ziehst Du um? ;-))
LG
smaragdgrün 

Umziehen? Wenn alles läuft, wie ausnahmsweise ich es mag - dieses Jahr noch ...

Wow, das klingt gut! Die letzte angehimmelte Wohnung erwies sich als unzureichend, ergo suche ich weiter und habe mittlerweile alle Helferlein, die ich kenne, angespitzt. Ich suche ja erst zwei Jahre ...

Keine Kommentare: