18. Februar 2010

unzureichende worte

Liebster P.,

es ist schon ein wenig schwierig zu wissen, Du könntest meine Worte hier lesen und dennoch ist es genauso komisch, dass meine Sis nichts von Dir weiß. Was eignet sich da besser als eine schlaflose Nacht? Ich hoffe, Du siehst es mir nach, dass ich keine Gegebenheiten namentlich nenne, schließlich möchte ich dieses Blog so unbekannt wie möglich halten und hier sind Namen glücklicherweise Schall und Rauch.

Irgendwann warst Du da, kamst aus dem Nichts und ich war auf den ersten Blick und seit den ersten Worten hin und weg. So ein kluger Mann. So ein witziger Mann. So ein charmanter Mann. So ein schöner Mann. So ein tiefsinniger Mann. So ein kreativer Mann. Kurz, meine Bewunderung und meine Faszination kannten wenige Grenzen.

Ja, ich wollte Dich näher kennenlernen, hielt aber sittsam Distanz, mich zurück und vermied zu persönliche Gespräche. Irgendwann ging das nicht mehr, wovon Du nichts wusstest, weil ich es Dir nicht mitgeteilt habe, sondern mir immer nur sagte. Schließlich gibt es eine glückliche Beziehung in Deinem Leben, so die mahnenden Worte in meinem Kopf. Außerdem erkannte ich von Dir keinerlei Anzeichen von näherem Interesse an mir. Nie hätte ich zu hoffen gewagt.

Auch wenn es Dir schwerfällt an meine Introvertiertheit zu glauben, sie ist da, denn lange haderte ich insgeheim mit Dir, mit mir, wollte da weg, wollte mehr. Meine Ambivalenz und ich prügelten uns täglich, nächtlich. Nein, davon weißt Du auch nicht wirklich etwas, weil ich diese Gedanken mit mir ausmachte. Spätestens Deine lange und für mich schmerzliche Abwesenheit über die Weihnachtstage hätte es mir eigentlich sagen können, aber Reflektion funktioniert bei anderen fast immer besser als bei mir selbst.

Im Nachhinein sehe ich es ganz klar vor mir: Monatelang umtanzten wir uns. Wie zwei Magnete, die nicht anders können und sich wie von Zauberhand anziehen, sich aber auch nicht ganz sicher sind, ob das alles so sein darf, sein kann. Voneinander los kamen wir nie.

Alle anderen um uns herum wussten lange mehr als Du und ich. Lange wollte ich es mir nicht eingestehen - im Gegenteil, ich sprach von Dir lächelnd als dem schönen Schweizer, der so viel Spaß macht. Klingt belanglos? Sollte es wohl auch, denn was nicht da ist, sehe ich auch nicht.

Irgendetwas änderte sich dann. Und es ging von Dir aus, auch wenn ich Deine kryptischen und subtilen Worte nicht deuten konnte, spürte ich doch, nun haderst Du mit Dir. Am 11. Januar konnte ich nicht mehr und schrieb Dir, Deine Antwort war wunderbar, allerdings erst der Anfang von so vielen wunderbaren Kleinigkeiten.

Seit etwas einem halben Jahr - so ganz genau kann ich es nicht einmal sagen - bin ich nun auf Expedition, entdecke täglich neue und unsagbar spannende Facetten an Dir und mit Dir. Und es ist nichts dabei, was mich befremdet, denn so verschieden wir auch sind, unsere Schnittmengen sind immens. Sie machen mich glücklich, denn endlich kenne ich jemanden, der mich für die Eigenschaften, Fähigkeiten und Angewohnheiten mag, die andere an mir anprangern oder unverständlich finden.

Himmel, wenn ich überlege, was in den letzten vier Wochen alles passiert ist, wird mir jetzt noch schwindelig. Tränen, Lachen, viele Worte, Dramen, Entscheidungen, Gedanken, sinnliche Leidenschaft - und immer wieder finden wir uns, und das auch noch erstaunlich parallel.

Wie oft bedankst Du Dich bei mir, weil ich Dir so viel gebe. Dabei empfinde ich es andersrum, ich profitiere so unendlich von Dir. Dafür danke ich Dir so unermesslich, dass mir mal wieder die passenden Worte fehlen. Auch so eine Sache: Sprachlosigkeit kenne ich von mir nicht, geschweige denn andere, die dafür wahrscheinlich das ein oder andere Mal dankbar wären, aber sie fehlen mir, die Worte, die Satzzeichen, die Dir genügen.

Ich könnte Romane, ganze Epen über Dich und für Dich schreiben. Über Dein Mitgefühl, Deine Gedanken, Deinen Sanftmut, Deine Sensibilität, Deine Eloquenz, Deinen unwiderstehlichen Charme, Deine Leidenschaft, Deine Sinnlichkeit, Deine Offenheit, Deinen Intellekt, Deine Belesenheit, Deine Dramen, Deine Wärme, Dein Lachen, Deine Kreativität, Deine Emotionen, Dein Lachen, Dein Seufzen, Dein Schnurren, Dein Lächeln, Deine Wildheit - einfach über Deine vielen, vielen Nuancen.

Ich weiß nicht, wohin unser Weg führt. Eigentlich ist das nicht einmal wichtig, aber ich weiß, ich habe keine Angst, denn mit Dir ist alles gut und wir finden uns. Immer und immer wieder.

Ich bin unsagbar glücklich, dennoch bleibt ein Fünkchen Angst, eine kleine Panik, die ich vielleicht brauche, um nicht vollends und bodenlos zu versinken. Eine Art Rettungsanker, der mich bisher noch bremst und zur Vorsicht mahnt. Ich frage mich, wann Du den mit einer Deiner vielen Nuancen weghauchst?

Du bist Balsam für meine Seele. Feuerwerk für meine Sinne. Inspiration für meinen Kopf. Sternenstaub in meinem Herzen. Ein Feuchtbiotop zwischen meinen Beinen. Ein Lächeln, ein Lachen mitten in mir. Du bist mein Utopia.

your personal fabulous freak of nature

PS. Sis, das ist er. Sei gut zu ihm, denn er ist unbeschreiblich gut zu mir und für mich. Außerdem hat er heute Geburtstag.
 
Bin zu spät zum Gratulieren. Meine besten Wünsche! Tut er Dir weh, verkloppe ich ihn, mindestens verbal!

Ich denke, er hat es überlebt ;-)

Steht er eigentlich noch unter Welpenschutz? Probezeit läuft zumindest noch. Schließlich hat uns das Leben dies und das gelehrt, oder?

Momentan scheint es, als würde er nichts Falsches sagen oder tun, was mich als professionelle Erbsenzählerin nun doch etwas erstaunt. Und nein, blauäugig und rosa Brille kommt nicht in Frage, dafür bin ich zu alt und habe viel zu viel erlebt. Männer sind weiterhin eine teilweise reichlich überflüssige Spezies, daran kann auch er nichts ändern. Andererseits gibt es draußen auch ungemein viele Frauen, denen man die Existenzberechtigung ohne Weiteres absprechen kann, aber sind wir mal nicht so und schauen uns die Sache mal so objektiv wie möglich an. Schließlich hälst Du zum Glück nicht die Klappe und wirst anmerken, wenn Dich etwas stört. Danke Sis!!

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er es mit uns beiden aufnehmen kann oder auch nur eine Vorstellung davon hat, was ihn erwartet? Unser Zorn braucht lange, bis er aufwallt, kann aber fürchterlich sein ...

Übrigens, gratulier mir, seit Donnerstag habe ich die zweite und reichlich heftige Sinusitis des Jahres. Ich hasse es! Und ich will Frühling! 
 

Welpenschutz? Blödsinn, für diese Form von Rücksicht sind wir (mutig von mir!) viel zu alt! Ich uralt (zugeb)

Mit uns beiden kann er es sicher nicht aufnehmen, mir würde zu seinen Gunsten reichen, wenn er Dich überlebt *lach*

Bussi

Heute frage ich mich eher, ob ich ihn überlebe ... ich gehe mal in mich.

Manchmal frage ich mich schon, ob in mir genug Platz für zwei ist. Will ich das? Kann ich das? Klar, ich kann, da ist so viel Liebe für andere Menschen, so viel von allem, aber das hier ist anders. Ich habe nicht das Bedürfnis mich abzuschotten, habe wenig Angst, eher Angst vor mir selbst und Zweifel an mir.

Ja, ich weiß, Du denkst, die Eremitin macht sich zu viele Gedanken, steht sich selbst im Weg. Eigentlich beschleicht mich nämlich nur ein Verdacht, eine Sorge: Das Leben ist zu kurz und läuft zu schnell. Zumindest für mich und die vielen Dinge, ich wissen, sehen, riechen und erleben will. Ich wünschte, ich könnte die Welt manchmal anhalten oder wenigstens die Geschwindigkeit reduzieren. 
 
Schätzelein! Ich verrate Dir mal was, was Du eigentlich schon weißt: das Leben ist echt zu kurz, um dauernd alles zu analysieren und tot-zu-denken!
Ich habe mal eben ein Jahrzehnt mehr verschwendet (ab d. Erkenntnis) und komme immer noch ned recht inne Pötte. Klar, da war jemand, der mir wichtig war. Ich konnte nicht ertragen, dass er sich in mich verliebte. Ich bin einfach noch nicht soweit! (Sry!) 
 
Komm Süße, Du hast das ganze Ehe-Elend ned. Aber Du versäumst soviel Schönes, wenn du immer auf den Richtigen wartest. Vielleicht gibt es den, vielleicht auch nicht (zumindest hat er kein Haltbarkeitsdatum)
Man versäumt unter Umständen soviel Schönes, wenn man alles immer durchdenkt. Ich wünschte, ich hätte mehr aus dem Bauch heraus agiert!!! So vieles habe ich tot-gedacht, mir immer über alle Eventualitäten den Kopp zerbrochen ... das Leben ist einzig und kurz. Mach was draus, wennste kannst!
Lerne, sehe, rieche, erlebe!
Auf! - Sei schlauer ;)

Ach Sis, Dein Art ist unbezahlbar. Schon grinse ich wieder, lache eigentlich fast schon. Wenn ich nicht ganz genau um Deine sensible, tiefsinnige Seite wüsste, würde ich manchmal denken, Du bist pure Berliner Kodderschnauze :-))

Ich warte nicht mal. Ich finde eigentlich alles prima, wie es ist. Ich bin mir aber ziemlich sicher, ich bin für eine Vollzeitbeziehung nur auf sehr weitläufigem Gelände geeignet. Nimms hin, ich bin nur halb so sozial wie andere.

He, nur weil ich mich und das Leben zwischendurch mal in Frage stelle und mir meine Gedanken mache, heißt das noch lange nicht, alles doof da draußen und der Mann spinnt auch. Blödsinn. Aber hier ist mein Platz für abstruse Gedanken, wahnwitzige Ideen, dumme Sprüche und alles, was mir gerade nicht einfällt. Nicht mehr und nicht weniger.

Außerdem ist so ein Innehalten nicht negativ zu sehen, eigentlich ist es wertneutral, denn ich entdecke immer wieder Dinge, die im Alltag untergehen. Ich liebe es mal 24 Stunden mit niemanden zu reden, sondern einfach mit mir allein zu sein, mit meinen Gedanken, ganz ruhig und bewusst mit mir zu sein. Ich brauche das manchmal einfach, wenn ich auch zugeben muss, er fehlt mir ganz furchtbar und das ist etwas, was ich heute mit Freude wie ein Geschenk angenommen habe, also motz nicht immer gleich mit mir.

Nee, ich lasse mir weiterhin keine Vorgaben machen, tue, was ich richtig gut kann - intuitiv und bewusst leben.

Aber ich liebe doch Details und besonders seine Facetten, die kleinen Dinge sind soooooooo wunderschön und jagen mir Gänsehaut über den gesamten Körper, also komm mir nicht mit großen Dingen, die sind doof, langweilig und will ich nicht.

Dennoch höre ich auf Dich, wobei Du momentan aber die große Schwester höllisch raushängen lässt :-))) 
  
Ich weiß, ich bin gerade ziemlich ätzend. Entschuldige mich! Aber bitte, höre damit auf, Dich zu entschuldigen. Das hast Du wirklich nicht nötig!

Wieso und warum? Hier muss sich keiner entschuldigen, weder Du noch ich. Und son bisschen ätzend hat was - lass es raus!

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