22. Februar 2010

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben ...

Ich mag grummeln. Nicht laut meckern, nicht schimpfen, nicht meutern, einfach mal so ein wenig vor mich hin nörgeln.

Warum?

Ach, die Dummheit der Menschen genügt dazu allemal. Begegnet sie mir doch immer wieder und bestätigt mich in meinem Sein. Meiner Unabhängigkeit von kleinlichem Gezeter, lästigem Herdentum und überflüssigem Trallala.

Lass mich mit ein paar Gedanken und Ansätzen spielen, jonglieren.

Sis, erklär mir doch bitte mal, warum man immer mitlaufen sollte? Machst Du doch auch nicht oder nur in Maßen. Eine eigene Meinung tut doch nicht weh.

Gut, es macht das Leben nicht unbedingt einfacher, weil die Masse lieber unauffällig unsichtbaren Richtlinien und nichtigen Vorgaben hinterherläuft, aber so ein bisschen anecken und umschauen ist doch viel spannender, als eingeschränkt, angepasst und voller Ängste die ganze Geschichte zu betrachten. Obwohl, als Herdentier rottet man seine Probleme und Ängste einfach unter dem Motto Das macht man nicht! Puh, was kotzt mich das an.

Ich schade niemanden wissentlich, kann ich wahrscheinlich nicht einmal, aber ich mache eben auch nicht mit im großen Rennen um die schönsten Ikea-Möbel, das tollste Auto und die ach so perfekte Beziehung, die eigentlich total verlogen ist.

Nehmen wir doch den Erzeuger Deiner Brut. Eigentlich weiß er ganz genau, das die Kiste durch ist und das Auto schrottreif am Baum hängt. Dennoch will er nichts ändern, tut so so, als wäre alles wunderbar und Du bist der Fehler im System. Oder meinen Wetterfrosch, der durchdrungen ist von der Überzeugung, ich würde früher oder später garantiert einsehen, wo mein Platz ist. Betriebsblind laufen sie verwirrt umher und reden sich die Welt schön.

Wieso nur? Eigentlich ist das Leben nämlich reichlich schön - hängt immer vom Blickwinkel ab.

Es ist so wunderbar einfach eigene Fehler beim Gegenüber zu suchen. Der Mensch in seiner Unperfektion ist doch fast immer ein Glücksgriff, um Makel zu finden und anzuprangern. Darum macht man das. Man überlegt sich nicht, ob man selbst irgendwie falsch liegt, verkehrt denkt, man haut das Gegenüber und tritt noch mal nach. Die Motivation? Angst. Pure Angst vor Selbsterkenntnis. Der schöne Schein würde sich gleich Dorian Grey in ein Monster verwandeln, der Spiegel klirrend in viele kleine Stücke zerspringen.

Nein, diese Angst ist nicht neu. Sie wurde uns in die Gene gepflanzt, zum Schutz vor dem Ungemach der Welt um uns herum. Aber was haben wir daraus gemacht? Phobien, die wir alleine nicht mehr auf die Reihe kriegen. Halten uns für strahlende Wesen, denen eine kräftige Prise Bescheidenheit und Realismus gut tun würde. Demut fällt mir dazu ein. Respekt ebenso. Demut und Respekt vor sich selbst. Vor anderen. Mit anderen.

Und dann umgeben sie sich noch mit so genannten Freunden, die eigentlich keine sind, sondern ebenso von Angst angetrieben mitspielen. Freunde, wie ich sie kenne und nenne, sind Individuen, die eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten. Sie zögern nicht, sie schrecken nicht zurück, wenn ich auf der falsche Fährte bin. Sie halten mich auf, sie stützen mich, aber eben nicht oberflächlich und dumm, sondern authentisch. Im vermeintlichen Umgang nennen sie Menschen Freunde, die sie nicht wirklich kennen, nicht einmal kennen wollen, sondern um sich scharen, weil man das so macht. Und wenn man dabei ist, packt man alle seine Ängste heimlich unter den Tisch und hält sich in seiner Rotte für unbesiegbar. Kleingeistiges Treiben.

Und diese Angst vor Stille und Alleinsein, die so viele Menschen leben. Die Seniorin wirft den Fernseher an, der sie unterhalten soll. Sie selbst bietet nichts, will aber viel. Andere treffen sich regelmäßig, telefonieren stetig, obwohl sie sich nichts zu sagen, nichts zu geben haben. Angst vor dem Alleinsein treibt seltsame Blüten. Mein Bruder hat immer eine Frau an seiner Seite, die ihn ablenkt, unterhält. Alleine mit seinen Gedanken und Taten würde ich an seiner Stelle auch wahnsinnig werden, mich dem Suff ergeben oder zum nächsten Dachbalken schielen. Nein, es ist genau so toll mal nicht zu denken. Nicht jeden einzelnen Gedanken auseinander zu pflücken, aber nie denken? Nur aus Angst vor dem eigenen Selbst? Klingt nicht nur paradox, ist es auch und macht nicht lebensfähig.

Was ist der Mensch? Ängstlich und faul. Zu viele Möglichkeiten von wichtigen Dingen abgelenkt zu werden bietet das Leben. Zu viele Anforderungen, denen man gerecht werden soll. Drill und Indoktrinierung bereits für Säuglinge. Wie sollen daraus eigenständige, denkende Menschen werden? Menschen, die austauschbar, weil Fassade sind?

Ja, vielleicht bin ich naiv, aber ich will das nicht. Ich will es nicht mal wollen. Ich will nicht mitlaufen. Nicht hinterherlaufen. Ich will ich sein. Kein Opfer, kein Täter, einfach ich. Mit meinen Untiefen, meinen Höhen, meiner Mittelmäßigkeit, meiner Unzulänglichkeit, meinem Genius. Zu viel verlangt?
 
Sorry, Sis, ich würde gerne mehr tippseln, aber ich hab noch soooo viel zu lesen, fasse mich entsprechend kurz. Mitlaufen tue ich - wie bemerkt - gelegentlich und im Besonderen in Maßen (meist aus lebensnotwendig finanziellen Gründen, Ausnahmen mag es auch geben) Das Denken an sich scheint dem einen oder anderen Individuum schon eine Last ... konstruktive Kritik führt zu mitunter merkwürdigem, prenatalen Verhalten usw.
Frag nicht mich, warum ein Gro "unserer Mitmenschen" das Denken einzustellen scheint. Manchmal glaube ich, ich sollte mich anpassen. Mein Leben wäre um so viel leichter - ich würde es ja nicht besser wissen, mir also keine Gedanken machen. Ich bräuchte auch nicht zur Wahl, würde Westerwahnsinn und Oetti toll finden! Dumm, wir denken - müssen wir durch - und somit ist die Frührente auf Macke auch erledigt ;-)
 
PS: Und ja, DAS Leben an sich ist geil! Man sollte nur gelegentlich das Rauschen abstellen, Störsender können echt Nerven kosten.

Ja, das Leben wäre oftmals einfacher, wenn man mehr mitlaufen würde oder bisschen blöder wäre ...
  
und auch um Einiges ärmer und langweiliger ....

EINDEUTIG!

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