14. November 2007

Das Gefühl

Ich vermisse es. Ich hätte es gerne wieder. Ich frage mich, ob ich es jemals wieder erlebe. Das Gefühl, wenn ein Mann mich anlächelt, ohne Grund, einfach liebevoll anlächelt. Das Gefühl, jemand interessiert sich für mich, so wie ich für ihn. Jemand Körperkontakt sucht. Die Gewissheit, er ruft an. Das schöne Gefühl der Geborgenheit, wenn wir einschlafend kuscheln. Das gemeinsame Lachen über Insider. Jemand, der aufsteht und die kaputte Glühbirne wechselt. Einfach das Gefühl verliebt zu sein, Liebe zu spüren und die vielen Kleinigkeiten, die dazu gehören.

Wann war das letzte Mal, dass ein Mann um mich war und wann hatte ich das letzte Mal DAS Gefühl?

Der letzte zählt nicht wirklich, er ist das Letzte, weil ich vielleicht sowas wie verliebt war, aber eigentlich mehr geweint als gelacht habe. Er war schlicht nie da, er hat mir mehr weh als gut getan. Er hat einfach nie bemerkt, dass es außer ihm noch jemanden gibt und mein Interesse nicht ausschließlich seinem Wohlbefinden gilt. Er war beleidigend und verletzend. Er hat mir nichts gegeben, mich aber ausgesaugt. Immerhin hat er es geschafft sich zu entschuldigen - was mir auch nicht viel hilft, denn außer, dass ich viel über mich gelernt habe, ist der Mann pure Zeitverschwendung.

Den Mann davor kann ich Beziehung nennen. Wir waren verliebt, wir haben uns geliebt und wir haben es auch gelebt. Er hatte nie Zeit, weil er viel gearbeitet, zu viel. Hatte er mal Zeit, haben wir diese genutzt. Wir waren innig, intensiv, verspielt, kommunikativ, liebevoll. Wir waren toll und manchmal vermisse ich ihn heute noch. Seine braunen Kulleraugen, die mich durch jede Menschenmasse gefunden haben. Ich ihn auch, weil ein 2-Meter-Mann einfach schwer zu übersehen ist. Seine Fürsorglichkeit, wenn er wunderbar lecker gekocht hat - und dabei gleich meine Küche verwüstet hat. Sein unbeschränktes Wissen zu jedem Thema. Sein Humor und seine verbale Eloquenz. Seine große Hand, die nachts auf meinem Allerwertesten ruhte und mir tagsüber spontan den Nacken kraulte. Aber ich war ihm nicht wichtig genug. Ich sah ihn manchmal nur 2 Tage im Monat. Irgendwann stellte ich fest, dass ich auf Platz 12 in seinem Leben komme und verließ ihn. Es gab kein Drama, keinen Streit. Es ging so harmonisch auseinander, wie wir uns gefunden haben und, wie wir gelebt haben. Aber es ging nicht mehr, denn als man mir sagte, dass mein Vater sterben würde und ich ihn brauchte, sagte er nur zu mir, ich habe einen Kundentermin, nächste Woche kann ich für 5 Stunden für Dich da sein. Zu wenig für mich ...

Weihnachten merke ich wieder verstärkt, dass ich allein bin. Silvester wird es ganz schlimm. Ich denke darüber nach, was im vergangenen Jahr so alles passiert ist. Ich resümiere - und fühle mich irgendwie wie eine Versagerin, weil ich wieder alleine bin.

Silvesterfeiern machen mir keinen Spaß, weil ich es nicht sehen kann, wie glücklich sich Paare um 24h küssen. Ich bin fast neidisch und irgendwann habe ich Pipi in den Augen - ich bringe ungemein gute Stimmung auf jede Party. Meist finden sich auch 2-3 männliche Singles unter den Gästen, aber nach einem Blick oder spätestens einem kurzen Gespräch mit ihnen, ist mir klar, warum sie allein sind und, dass ich mir den Psychotiker nicht anlachen will.

Und dann allein im kalten Bett suche ich Gründe, warum da niemand neben mir ist. Ich suche sie bei mir, zähle meine Fehler auf - und komme selten auf die Idee, dass es gar nicht an mir liegen muss. Im Endeffekt liegt nur an mir, dass ich zu viel arbeite und zu wenig unter Menschen gehe. Es liegt an mir, dass ich auf miese Kerle stehe; je schlechter sie mich behandeln, je gestörter sie sind, desto besser finde ich sie. Das sind Dinge, die ich ändern kann. Gute Vorsätze fürs neue Jahr: Nicht für das Gefühl verbiegen und kein Opfer sein!

smaragdgrün

PS:
Heute habe ich zwei Gefühle erlebt. Ein gutes und ein schlechtes. Ein schlechtes, als mir der Mann aus Jugendzeiten sagte, er sei nicht mehr Single. Na super, der Mann ist mehrspurig gefahren! Und ein gutes, als ein anderer lieber Freund aus Jugendtagen anrief, mich zum Essen und Laufen mit seinem Hund einlud und zu mir nette Dinge wie, ich kann von Dir so viel lernen, Du bist so ein wunderbarer Mensch sagte und mich zum Abschied mein Mädchen nannte.

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