Es ist wieder passiert. Es fing an, als ich 13 war. Ich wurde zum Objekt der Begierde. Männer wollten meinen Körper. Ich begann pure Sinnlichkeit, Leidenschaft und Erotik auszustrahlen. Das Zeug hält sich, es klebt an mir, denn es ist anscheinend immer noch so. Ich lerne jemanden kennen, ich verliebe mich, ich sehe Mann als Freund - es ist egal, Mann will in erster Linie Sex.
Sonntag traf ich einen Schulfreund. Wir kennen uns seit wir beide 13 sind. Damals wollte er mich unbedingt küssen. Ich war unsterblich in seinen besten Freund verliebt. Ein paar Jahre später wollte er meinen Busen und meinen Allerwertesten anfassen. Ich war mit einem seiner Freunde zusammen. Wieder etwas später wollte er Vollzug. Ich war in einer Beziehung. So ging es weiter. Mittlerweile sind es 25 Jahre und er will mich immer noch. Ich will ihn nicht.
Nicht, dass mein Körper so wunderbar ist. Ich habe einen Bauch. Mein Busen kämpft mit der Schwerkraft. Ich habe Beine, auf die jeder Fußballspieler neidisch ist. Mein Kreuz zeugt von Arbeitsfähigkeit. Mein Hintern ist sehr wohlgerundet. Im Endeffekt ist mein Körper gut für vieles geeignet, aber ein Sexobjekt stelle ich mir anders vor. Pamela Anderson in ihren besten Zeiten oder Angelina Jolie, aber ich? Irritiert mich immer wieder.
Es hat alles zwei Seiten. Ich kenne einige Menschen, mit denen Mann/Frau lediglich reden will. Sie sind die Versteher, Ratgeber, Zuhörer - und keiner will sie anfassen.
Ein sehr guter Freund ist so ein Fall. Ich vertraue ihm. Ich liebe ihn. Er ist witzig, klug, eloquent, sieht prima aus und er will Sex mit mir - seit Jahren. Ich will nicht, mir fehlt das gewisse Etwas. Das nur nebenbei, denn er kämpft genau mit der anderen Seite: Niemand will Sex mit ihm. Alle Frauen wollen mit ihm reden, mit ihm einkaufen gehen, sie wollen alles von ihm, nur halt nicht mit ihm intim sein. Dieser Freund hat vorgeschlagen, dass er und ich mal tauschen. Er würde endlich begehrt werden und ich als Mensch respektiert. Aber er ist auch der Meinung, ich soll mich freuen und in die Vollen gehen. Aber Sex ist für mich nicht einfach den Hormonen nachgeben. Ich brauche mehr. Dieses Seelen aneinander reiben. Ich mag keine ONSs. Ich mag keine Affären. Ich mag Sex, der im Laufe des Kennenlernens wächst. Vertrautheit und nicht mal eben drüber hüpfen.
Meine letzte Eroberung war deswegen völlig am Ende. Er begehrt mich, dass es weh tut. Er will mich. Dauernd, immer, stetig, aber er findet Sex schmutzig und ist deswegen völlig in der Klemme. Er wollte seinen Trieb mit mir ausleben, fühlte sich aber danach immer schlecht. Ich sehe viele Verbindungen zwischen ihm und mir, er lediglich die animalische Anziehungskraft, den Rest von mir ignoriert er völlig. Klar, dass ich beleidigt bin, denn ich werde als Sexobjekt gesehen, meine anderen Qualitäten sind egal und ich mag keinen leeren Sex.
Meine geliebte Freundin sagte zwar, dass viele Männer sich vielleicht nicht trauen zuzugeben, dass sie mich auch in anderen Bereichen schätzen und mich wollen. Ich sei halt moppelig, aber schön. Ich sei sehr klug, schlagfertig, unabhängig und dadurch auch ein wenig einschüchternd. Gut, Männer kompensieren viel über Sex. Sex ist für sie wichtig. Sind Männer so einfach? Besagte Freundin hat auch nicht mein Problem. Warum verstehe ich allerdings nicht. Sie ist toll. Sie hat einen viel besseren Körper als ich. Sie ist einfach klasse, aber dennoch bekommt sie keine eindeutigen Angebote.
Andererseits wäre ich wirklich erfreut, wenn ich doch mal einen Mann kennen würde, der mit mir befreundet ist, mich als Person schätzt, mit mir redet, lacht und keinen Sex mit mir möchte. Oder mal andersrum: Ich verliebe mich zur Abwechslung mal in einem Mann, der mir nicht nach 10 Sekunden die Zunge in den Hals steckt und eine Hand wahlweise am Busen oder Po hat, sondern auch mal bemerkt, was ich noch so alles kann und habe.
smaragdgrün
Kurz und knapp: Reduktionen kann ich nur bei Saucen dulden. Menschen müssen sich nicht reduzieren lassen, um lecker oder wert zu sein.
schieferblau
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