16. Januar 2010

Senioren

Sis, Du bekommst keine Pause. Du setzt keine Grenzen, weil Du es nicht kannst. Der/die Seniorin kann Dir angetan haben und antun, was er/sie mag: Du liebst den senilen Teil Deines Lebens! Dein Pech – ist so.

Sorry, DU musst irgendwann eine Entscheidung treffen. Ich bin sicher, solange der/die Senior/in nicht Gefahr birgt, die Behausung anzuzünden, wirst DU da sein. DAS ist normal und völlig o.k.

Anstrengend ist es auch, ja. Nervenraubend und lästig.

Irgendwie ist es aber auch Liebe.

Wir haben einmal Parallelen gefunden. Die gibt es noch. Sei ruhig sauer, weil ich das genau so schreibe! Schrei mich an, wenn Du magst (hilft gelegentlich) , aber tu mir die Liebe, akzeptiere, dass Du nichts dazu und nichts dagegen kannst. Und wenn gar nichts mehr geht, hol dir verdammt noch mal Hilfe!

Große Worte. Eine Antwort?

Ich kann problemlos Grenzen setzen. Du merkst das nur nicht, weil Du lediglich Ausschnitte kennst. Nein, ich liebe den senilen Teil nicht. Ich will mir nur ein Stück Kindheit bewahren und sie ist alles, was davon greifbar ist. Verzeihe mir meine Schwäche.

Warum soll ich Dich anschreien? Weil Du Dich aus dem Fenster lehnst? Nein, das ist Deine Sache. Meine ist es aufzuschreiben, was mich quält, denn so funktioniere ich. Ich finde Lösungen und Wege, wenn ich es schreibe, lese, drüber nachdenke. Dein Weg muss nicht mein Weg sein.

Nein, ich kann nur bei mir etwas ändern. In meinem Denken, meinem Tun. Indem ich mich betrachte, das Warum finde und akzeptiere.

Du kannst das trennen? Den schönen Teil der Kindheit zu wahren, sollte nicht heißen, sich für alles verantwortlich zu fühlen. Und ja, da kann ich mich wohl aus dem Fenster lehnen, fürchte ich.

Aufschreiben ist ein guter Ansatz. Ich hoffe von Herzen und weil Du mir am Herzen liegst, dass Du Deinen Lösungsweg findest, bevor die Suche danach Dich zu sehr verletzt.

Ja, ich kann das trennen. Und ganz langsam, wie ich manchmal bin, lerne ich loslassen. Es ist ihr Leben und sie trägt die Verantwortung dafür, ebenso für ihre Taten. Mein Vater hat ihr und uns viel abgenommen, was uns Vieles leichter gemacht hat, aber eben auch geschützt hat. Seit er nicht mehr da ist, heißt es friss oder stirb. Ich habe mich entschieden zu fressen, mit allen Konsequenzen. Was die anderen beiden machen, ist ihre Sache. Manchmal frage ich mich, warum Papa uns so viel angenommen hat. Wollte er uns einfach abhängig machen und dominieren? Von eigenen Problemen wegsehen? Vielleicht wusste er auch nicht, dass man niemanden seine Aufgaben wegnehmen kann, denn die Jobs bleiben, man muss sie selbst erledigen.Es ist müßig über die Beweggründe meines Vaters nachzudenken. Ich bin ihm für die Liebe, die er mir immer gegeben hat unendlich dankbar, aber noch mehr freut mich, dass er mir den Raum gegeben hat mich zu entwickeln, hinzuschauen, nachzudenken, zu handeln - und das frei. Er hat mir Freiheit des Geistes geschenkt, vielleicht nur im Ansatz, aber er hat und das zählt.

Es ist eigentlich logisch, dass meine Familie oder auch Menschen um mich herum versuchen mich für ihre Zwecke einzuspannen. Es ist sogar legitim zu versuchen einen einfachen Weg zu finden. Der Mensch an sich ist faul und dumm, er hat es gerne, wenn ihm lästige Dinge abgenommen werden. Ich bin ein Mensch, der lästige Dinge angeht, nicht gerne vielleicht, aber ich drücke mich nicht. Warum? Weil ich es kann. Ich kann, was meine Familie nicht kann. Daher ist ihr Erdrücken, ihr Aussaugen, ihr Benutzen einerseits Neid und Eifersucht, denn sie können nicht, was ich kann. Andererseits steckt in ihren Taten auch viel Bewunderung, denn sie können nicht, was ich kann. Das meine ich wertfrei, denn ich halte mich nicht für absolut wunderbar, aber ich kann eben Dinge, die ganz viele nicht können. Ich bin weder dumm noch schwach, das bringt es mit sich, dass schwache oder/und dumme Menschen davon ein Stück abhaben wollen. Aber dazu gehören zwei; einer, der macht und ein anderer, der mitmacht. Man hat immer die Wahl.

Es tut weh, aber es ist erträglich und ich habe in meinem Leben fast immer gesehen, dass Schmerz lehrreich ist. Er bringt mich weiter, zeigt mir klar meine Grenzen, meinen Weg und lässt mich wachsen. Vielleicht brauche ich Schmerz, um Freude und Bewusstsein zu entdecken. Das Schöne ist, wenn der Schmerz verklingt, bleibt die Erkenntnis und das macht mich frei.

Ich lerne Dinge, die nicht meine Dinge sind, loszulassen. Ich lerne zu akzeptieren. Mich und andere Menschen. Deren Aufgaben von meinen zu unterscheiden. Es ist wie es ist - das lerne zu akzeptieren. Warum Dinge ändern, die nicht zu ändern sind.

Und noch was, Sis: Du kannst Dich jederzeit aus jedem meiner Fenster lehnen. Ich bin stolz darauf, wenn Du mich in den Arsch trittst und mir helfen willst. Das macht unsere ehrliche Freundschaft aus. Wir dürfen und wir lassen zu. Danke!!

Weißt was, ich finde es manchmal erschreckend, wie Du mich an mich erinnerst. Ich hab Dich ehrlich liebgewonnen. Du bist mir Freundin, Seelenverwandte, Schwester und mehr. Ab und an muss ich einfach mit Dir motzen! Sollst es ja mal besser haben *lol*

Im Ernst, ohne Dich, den Blog hier, gelegentliche Lachanfälle in "privateren Gefilden" würde mir etwas fehlen im Leben. Schön, dass es Dich gibt.

Drohung am Rande: Ich weiß nicht, ob ich d.J. nicht gelegentlich in den Pott fahre. Mein Sparschwein wandert demnächst aus *sfg* 

Und "Papa" ist für Töchter wohl immer ein schwieriges Thema. Ich heule seit Jahren vor meinem Geburtstag, weil er knapp davor verstarb. Blöde, irgendwie. Ich bin nicht mit ihm aufgewachsen, kannte ihn nicht als Vaterfigur, obwohl er alles nachholen wollte. Ich habe ihn geliebt, gepflegt und vermisse ihn wie Sau!

Komischerweise, weiß ich einfach, dass er mich geliebt hat und sich wo auch immer die Platze ärgert, dass er nicht mehr da ist. Warum? Weil wir in seinem Sterbeprozess die wohl besten Gespräche geführt haben, die zwei Menschen führen können. 

Ich liebe ehrliche Gespräche/Diskussionen ...  

Und weißt Du, was das Beste ist? Du darfst alles sagen, von Dir höre ich mir alles an, immer zu und denke drüber nach. 

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